Adipositas (Fettsucht)

Adipositas (Fettsucht, starkes Übergewicht) beeinträchtigt oft nicht nur die Lebensqualität, sondern auf lange Sicht sehr oft auch die Gesundheit. Diabetes und das erhöhte Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen stehen dabei an erster Stelle.

Synonyme

Fettsucht, krankhaftes Übergewicht

Definition

Mann mit Übergewicht

Übergewicht oder nicht? Diese Frage stellt sich nicht nur, wer sich auf die Waage begibt. Auch in die Expertendiskussion um das Übergewicht ist seit einiger Zeit Bewegung gekommen. Geringfügiges Übergewicht gilt den vielen Medizinern inzwischen nicht mehr als Anlass zur Sorge. Gesundheitsgefährdend hingegen ist das weitverbreitete starke Übergewicht, insbesondere als Fettsucht oder Adipositas.

Mehr als die Hälfte der Deutschen hat so viel Übergewicht, dass die Gesundheit leidet und die Lebenserwartung sich verkürzt. Übergewicht ist die häufigste Ursache für Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes oder orthopädische Beschwerden.

Häufigkeit

In Deutschland gelten mehr als 50 Prozent der Menschen als zu dick. Männer sind mit 62 Prozent deutlich häufiger übergewichtig als Frauen.

Symptome

Übergewicht und Body-Mass-Index

Übergewicht wird nach internationaler Übereinkunft über den sogenannten Body-Mass-Index bestimmt. Der BMI wird folgendermaßen berechnet: Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch Körpergröße in Metern zum Quadrat. Bei einem 1,65 m großen Menschen mit 80 Kilogramm sieht die Berechnung so aus: 80 : 2,72 = BMI 29,4. Werte zwischen 18,5 und 24,9 gelten dann als Normalgewicht. Ab einem BMI von 25 sprechen Mediziner von Übergewicht, bei einem BMI von 30 von Fettsucht oder Adipositas.

Taille-Hüfte-Quotient

Vereinfacht lässt sich sagen: Fett in Nähe von Organen, das sogenannte viszerale Fett, schadet der Gesundheit mehr als Fett an Po oder Beinen. Wenn sich das Körperfett zum größten Teil um die Taille befindet, spricht man vom Apfeltyp. Bei einer Körperfettverteilung in Apfelform ist das Risiko für Bluthochdruck, Diabetes, Herzkrankheit und Schlaganfall deutlich erhöht. Das Risiko für die Erkrankungen ist höher, weil die Fettzellen häufig nicht nur unter der Haut sitzen, sondern beispielsweise auch in der Leber. Übergewicht beim Birnentyp bringt im Durchschnitt geringere Risiken mit sich als beim Apfeltyp. Die Erklärung: Die Fettzellen sammeln sich vor allem in organfernen Region, etwa am Gesäß und den Oberschenkeln.

Messen lässt sich die Fettverteilung in Form des Taille-Hüfte-Quotienten. Ein gesunder TH-Quotient ist bei Frauen gleich oder kleiner als 0,8. Bei Männern geht man von einem gesunden TH-Quotienten von 0,9 und kleiner aus.

Ursachen

Hauptursache von Übergewicht ist grob vereinfacht, dass dem Körper mit der Nahrung mehr Energie zugeführt wird, als er verbraucht. Die überschüssige Energie lagert der Organismus als Fett unter der Haut oder in Organen ein.

Mediziner unterscheiden primäre und sekundäre Ursachen von Übergewicht und Adipositas. Primäre Ursachen sind vor allem ein falsches Ernährungsverhalten und Bewegungsmangel.Sekundäre Ursachen von Übergewicht sind Erkrankungen, die mit einer Gewichtszunahme einhergehen können. Ein typisches Beispiel dafür ist die Schilddrüsenunterfunktion. Auch die Überfunktion der Nebennierenrinde (Cushing-Syndrom), Hirntumore, Operationen oder Bestrahlungen können Übergewicht begünstigen.

Behandlung

Um schwerwiegende Folgeerkrankungen wie Diabetes, Herzinfarkt oder Schlaganfall zu vermeiden, sollte Übergewicht möglichst früh abgebaut werden. Erste Mittel der Wahl dazu sind eine frische, abwechslungsreiche und fettarme Ernährung sowie viel Bewegung. Lässt sich Übergewicht damit nicht vermindern, sollten Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Ihr Arzt wird gemeinsam mit Ihnen gerne ein Konzept für ein Konzept entwickeln, mit dem Sie nachhaltig Übergewicht abbauen können. Wenn Sie Übergewicht abbauen möchten, haben Sie letztlich nur zwei Möglichkeiten:

  1. Energiezufuhr in Form von Nahrung begrenzen
  2. Energieverbrauch erhöhen

Experten empfehlen, im Sinne einer nachhaltigen Gewichtsverringerung beides zu kombinieren. Also weniger oder weniger energiereich zu essen und sich mehr zu bewegen. Leichter Ausdauersport wie Walken, Nordic Walking oder Radfahren beispielsweise verbraucht etwa 600 kcal in der Stunde. Wenn Sie also 3 Stunden die Woche leichten Sport treiben, verbrennen Sie den Gegenwert von zwei durchschnittlichen Mittagessen.

Umstellung der Ernährung

Tatsächlich ist die Antwort nach dem gesunden Abnehmen sehr simpel. Es gibt nur einen Weg, mit dem Sie dauerhaft Übergewicht abbauen: mit einer nachhaltigen Ernährungsumstellung, die dem Körper weniger Kalorien zuführt, als Sie verbrauchen. Dreh- und Angelpunkt dieser Ernährungsumstellung: Das Ernährungsverhalten muss zu Ihnen passen. Nur dann können Sie Übergewicht abbauen und das erreichte Wunschgewicht auch halten. Denn eine Ernährungsumstellung im Sinne einer wie auch immer gearteten einseitigen Diät bringt nahezu sicher den Jojo-Effekt mit sich: Sie nehmen ab – und mehr oder weniger lang nach der Diät wieder zu. Und das häufig mehr, als Sie zuvor abgenommen haben.

Die wichtigste Säule des Abnehmens ist die Ernährungsumstellung. Und die ist einfacher, als viele Medien uns glauben machen wollen. Vergessen Sie alles, was Sie je über einseitige Diäten oder Pulver gelesen haben. Für eine nachhaltige Ernährungsumstellung ist es im Grunde völlig ausreichend, wenn Sie sich frisch und abwechslungsreich sowie zucker- und fettarm ernähren. Alleine durch den Verzicht auf Fast Food wie Burger, Pizza und Pommes, zuckerhaltige Limonaden und Frühstücksflocken sowie Süßigkeiten sparen Sie Tausende an Kalorien. Ersetzen Sie Fast Food durch Salate, Obst und Gemüse sowie fettarmes Fleisch (Geflügel) oder Fisch. Saftschorlen sind besser als Limo, noch besser ist Wasser.

Wenn Sie nachhaltig gesund abnehmen wollen, greifen Sie am besten nicht zu Diätprodukten. Das gilt für die fettreduzierten Lebensmittel und Süßigkeiten aus dem Supermarkt ebenso wie für sogenannte Formeldiäten in Form von Pulvern, Granulaten oder Getränken mit einem genau definierten Nährstoff-, Vitamin- und Mineralstoffgehalt. Diese Diäten eignen sich allenfalls für kurze Diäten, um 2 bis 3 Kilo abzunehmen oder um im Rahmen einer Diät einige Mahlzeiten zu ersetzen. Langfristig vermeiden Sie Übergewicht und den Jojo-Effekt aber nur, wenn Sie das Ernährungsverhalten insgesamt alltagstauglich umstellen.

Medikamente gegen Übergewicht

Seit einiger Zeit sind frei verkäufliche Medikamente auf dem Markt, die die Aufnahme von Fett im Darm hemmen. Dadurch werden ca. 30 % der Nahrungsfette nicht mehr vom Darm aufgenommen, sondern direkt mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Eine der Nebenwirkungen: Gleichzeitig ist die Aufnahme der fettlöslichen Vitamine A, E, D und K vermindert. Die Einnahme von solchen Wirkstoffen wie Orlistat hat darüber hinaus einige Wechsel- und Nebenwirkungen, die ärztlich überwacht werden sollten.

Im Interesse Ihrer eigenen Gesundheit sollten Sie keine Medikamente gegen Übergewicht einsetzen, die aus der Gruppe der Abführmittel (z. B. Sennesblätter), Entwässerungsmittel (z. B. Birkenblätter, Ananas-Enzym) oder Entschlackungstees (z. B. Sennesblätter und Birkenblätter) sind. Diese führen nur zu einer kurzfristigen, verstärkten Wasserausscheidung. Dabei können auf Dauer wichtige Mineralstoffe verloren gehen. Außerdem führt die regelmäßige Einnahme von Abführmitteln zu Darmträgheit. Der Missbrauch von Abführmitteln ist die Hauptursache von chronischer Verstopfung.

Sogenannte Fat-Blocker aus den USA enthalten keine grundsätzlich neuen Substanzen zum Abnehmen, sondern hauptsächlich Vitamine. Und selbst Vitamine können schaden, wenn zu viel davon genommen wird.

Appetitzügler mit Nebenwirkungen

Appetitzügler mit chemischen Wirkstoffen wirken über das Gehirn appetitdämpfend. Wegen der Nebenwirkungen können viele Patienten diese Medikamente nicht nehmen (z.B. steigt der Blutdruck im Lungenkreislauf bei Hypertonie an). Auch bei an sich gesunden Patienten können Nebenwirkungen auftreten. Nervosität und Unruhe zählen dabei noch zu den harmlosen Beschwerden. Schlimmer sind eine körperliche oder psychische Abhängigkeit von Appetitzüglern sowie deren Risiko für Herzklappenfehler. Deshalb werden die meisten chemisch wirksamen Appetitzügler heute gar nicht mehr vertrieben. Um den Appetit auf natürliche Art und Weise zu zügeln, eignen sich pflanzliche Zubereitungen wie Geißrauten-, Mate- oder Pfefferminztee sowie Mahlzeiten aus der Topinamburknolle oder Haferflocken. Die Wirkung von homöopathischen Arzneimittel (z.B. Tropfen mit Helianthus tuberosus) ist hingegen nicht belegt.

Ernährungsberatung und Selbsthilfegruppen

Gemeinsam mit anderen abzunehmen, kann den Willen zur Gewichtsabnahme stärken. Allerdings sollten Sie für sich abwägen, ob Sie sich dabei einer gewerblichen Organisation anschließen wollen. Besser ist es, sich beispielsweise in Gesundheitszentren, bei unabhängigen Ernährungsberatern oder in Selbsthilfegruppen Unterstützung zu holen. Bei starkem Übergewicht oder Adipositas können eine Kur oder eine stationäre Aufnahme in einer spezialisierten Klinik einen guten Start im Kampf gegen die Pfunde unterstützen.

Ärztliche Behandlung von Übergewicht

Die ärztliche Behandlung von Übergewicht kann sich im Grunde darauf beschränken,

  • die Diagnose Übergewicht zu stellen. Nicht selten wollen gerade die Menschen abnehmen, die Normalgewicht haben. Ein besonderes Augenmerk ist in diesem Zusammenhang auf Essstörungen wie Magersucht zu richten.
  • organische Ursachen von Übergewicht auszuschließen, beispielsweise Hormonstörungen, Stoffwechselerkrankungen, Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme) oder eine unbemerkte Schwangerschaft.
  • Begleiterkrankungen zu behandeln und den Verlauf des Abnehmens ärztlich zu begleiten
  • Medikamente zu verschreiben, die beim Abbau von starkem Übergewicht (ab einem BMI von 30) helfen. Dazu gehören insbesondere pflanzliches Guar um das Hungergefühl zu unterdrücken sowie Alginsäure und Amfepramon, um diätetische Maßnahmen zu erleichtern, Cathin und Phenylpropanolamin mindern den Appetit und Orlistat die Fettaufnahme. Dabei muss gesagt werden, dass alle Wirkstoffe nur unterstützend bei gewichtsreduzierenden Maßnahmen wirken. Alleine helfen sie in der Regel nicht, Gewicht – vor allem langfristig und nachhaltig - zu verlieren. Zudem muss die Einnahme genau nach ärztlicher Vorschrift erfolgen, zusätzlich zum Diätplan und Bewegungsprogramm.

Magen operativ verkleinern

In extremen Fällen von Fettsucht kann eine Magenoperation bewirken, dass schon bei geringen Nahrungsmengen ein Sättigungsgefühl eintritt. Bei einer solchen Operation wird der Magen verkleinert. Diese Operation kann nur das letzte Mittel sein. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen nur nach sehr enger Vorauswahl ersetzt.

Prognose

Folgeerkrankungen durch Adipositas

Die Symptome und Folgen von starkem Übergewicht oder Adipositas sind überaus vielfältig und betreffen den gesamten Organismus. Übergewicht gilt beispielsweise als stärkster Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt, Angina pectoris, Bluthochdruck, Arteriosklerose oder Schlaganfall. Auch zwischen Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, erhöhten Cholesterinwerten oder Gicht lässt sich ein Zusammenhang herstellen. Ferner ist starkes Übergewicht eine erhebliche Belastung für das Skelett- und Muskelsystem und dadurch unter anderem oft für Rückenbeschwerden wie Bandscheibenvorfälle verantwortlich. Insgesamt schwächen starkes Übergewicht und Adipositas die körperliche Leistungsfähigkeit. Die meisten Experten gehen davon aus, dass starkes Übergewicht (bei einem BMI größer als 30 und einer ungünstigen Fettverteilung) die Lebenserwartung um bis zu zehn Jahre verkürzt.

Studienlage

Übergewicht verkürzt die Lebenserwartung

Für die European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC) werteten Forscher der Universität Cambridge die Daten von mehr als 300.000 Teilnehmern über einen Zeitraum von durchschnittlich 12 Jahren aus. Danach ist Übergewicht mit einem Body-Mass-Index (BMI) größer als 30 die Ursache für etwa 337.000 Todesfälle. Fast doppelt so hoch (676.000) ist die Anzahl der Todesfälle mit der Ursache Bewegungsmangel.

Body-Mass-Index in der Kritik

Schon seit einiger Zeit ist der BMI als Messlatte für Übergewicht in der Kritik. Hintergrund: Bei der Berechnung des BMI werden nur Gewicht und Körpergröße zugrunde gelegt. Um aber das gesundheitliche Risiko von Übergewicht oder Adipositas gut zu bestimmen, reicht das nach Ansicht vieler Experten nicht aus. Vielmehr müsse für ein aussagekräftiges Ergebnis auch die Fettverteilung am Körper berücksichtigt werden. Tatsächlich belegen Studien, dass die Fettverteilung einen wesentlichen Einfluss auf das Gesundheitsrisiko durch Übergewicht hat.

Autor: Charly Kahle

Stand: 25.05.2018

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