Analprolaps

Haben Sie schon einmal von einem Analprolaps gehört? Viele Menschen beantworten diese Frage mit Nein. Tatsächlich aber sind diese Aftervorfälle durchaus sehr häufig. Wir sprechen nur nicht darüber. Mehr über Symptome, Ursachen und Behandlung eines Analprolaps.

Synonyme

Aftervorfall, Mucosaprolaps

Definition

Durchfall besetzt

Mediziner sprechen von einem Analprolaps, wenn sich Darmschleimhaut durch den After nach außen stülpt. In der Umgangssprache wird die Erkrankung auch als Aftervorfall bezeichnet. Wenn sich das Ende des Mastdarms nach außen stülpt, handelt es sich hingegen um einen Rektumprolaps.

Zu den typischen Symptomen des Aftervorfalls zählen Juckreiz und Blutungen. Manchmal kommt es zu Stuhlschmieren oder Stuhlinkontinenz. Beim Analprolaps stülpt sich die Darmschleimhaut nach außen, häufig während eines festen Stuhlgangs. Die Ausstülpungen können aber auch spontan auftreten. Meistens sind die Vorfälle Folge von fortgeschrittenen Hämorrhoiden (Grad 3 bis 4) auf. Andere Ursachen sind beispielsweise Schließmuskelschwächen, Schwangerschaft oder Beckenbodenschwäche. Die Therapie von Analprolaps besteht darin, Hämorrhoiden zu veröden bzw. die Darmschleimhaut bei einem chirurgischen Eingriff wieder zu fixieren.

Häufigkeit

Zuverlässige Angaben zur Häufigkeit von Analprolaps in Deutschland sind nicht verfügbar. Das hat einen einfachen Grund: Den meisten Menschen ist es unangenehm, über die Erkrankung zu sprechen bzw. Angaben zu machen. Häufig wird die Erkrankung auch dem Arzt verschwiegen.

Experten gehen davon aus, dass 70 Prozent aller Menschen im Laufe des Lebens Hämorrhoiden entwickeln. Sie gelten als Volkskrankheit. Dabei sind Männer und Frauen in etwa gleich stark betroffen. Die Mehrzahl der Erkrankungen ereignet sich nach dem 40. Lebensjahr. In Deutschland werden pro Jahr etwa 50.000 Menschen wegen Hämorrhoiden mit Analprolaps operiert.

Symptome

Das namensgebende Symptom von Analprolaps ist ein Vorfall (Prolaps) der Enddarmschleimhaut durch den Schließmuskel (Anus). Bei einem Aftervorfall tritt die Darmschleimhaut als fleischrotes, geschwollenes und stark durchblutetes Gewebe in einer meist sternförmigen Struktur aus dem After. Mitunter gelangen aber auch nur kleine Schleimhautanteile oder einzelne Schleimhautfalten nach außen. Typische Begleitsymptome sind ein schmerzloser starker Juckreiz sowie Blutungen, Entzündungen und Stuhlschmieren.

Zu Beginn der Erkrankung gleitet die Darmschleimhaut noch von selbst wieder in den Analkanal zurück. Oder die Betroffenen drücken die Ausstülpung mit dem Finger wieder in den Darm. In späteren Stadien ist das häufig nicht mehr möglich. Der Prolaps besteht dauerhaft. Dann kommt es auch zur Stuhlinkontinenz, die Betroffenen können den Stuhlgang also nicht mehr kontrollieren.

Ursachen

Häufigste Ursache von Analprolaps sind Hämorrhoiden. Ausführliche Informationen über deren Symptome, Ursachen und Therapie finden Sie im Ratgeber Hämorrhoiden.

Eine andere Ursache von Aftervorfällen ist Beckenbodenschwäche. Wenn der Beckenboden seine haltende Funktion einbüßt, bewegen sich auch innere Organe wie der Darm stärker in Richtung des Darmausgangs. Dadurch entwickelt sich zunächst ein innerer Darmprolaps. Der Darm faltet sich innerlich. Das führt zu Engstellen – und dazu, dass ein stärkerer Druck zur Darmentleerung notwendig wird. Und damit beginnt ein Kreislauf: Je stärker gepresst wird, umso stärker wird der Beckenboden belastet. Und umso größer das Risiko für Hämorrhoiden, Analprolaps oder Rektumprolaps.

Weitere wichtige Ursachen von Analprolaps sind Verstopfung (Obstipation) und der Missbrauch von Abführmitteln. Verstopfte Menschen pressen häufig mit großem Druck. Das gilt ebenfalls für Menschen, die Abführmittel nehmen. Denn die Abführmittel beeinträchtigen die natürlichen Darmbewegungen und erschweren langfristig den Stuhlgang, anstatt ihn herbei zu führen. Mit dem Pressdruck aber nimmt der Beckenboden weiter Schaden.

Schließlich führt auch das Gewicht wachsender Kinder im Mutterleib dazu, dass der Beckenboden in der Schwangerschaft stark belastet wird.

Darmerkrankungen und Analprolaps

Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa, Morbus Crohn und Reizdarmsyndrom gehen ebenfalls mit einem erhöhten Risiko für Hämorrhoiden und Analprolaps einher. Zudem begünstigen Darmkarzinome sowie rektale und gynäkologische Eingriffe deren Entstehung.

Analprolaps bei Kindern

Eine seltene Ursache von Analprolaps bei Kindern ist die Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose (Cystische Fibrose). Auch angeborene Fehlbildungen an After und Rektum können einen Analprolaps begünstigen.

Untersuchung

Die Diagnose von Analprolaps stellen erfahrene Urologen oder Proktologen vor allem anhand der typischen sternförmigen Struktur des austretenden Gewebes. Um den Befund zu sichern und um ernsthafte Ursachen wie Karzinome auszuschließen, erfolgt in der Regel eine endoskopische Untersuchung des Darmausgangs und/oder des Enddarms. Auch die Ultraschalluntersuchung (Sonografie) des Darms kann die Diagnose bestätigen.

Bei unklaren Befunden kommt eine andere Diagnosemethode zum Einsatz, das sogenannte Defäkogramm. Bei dieser Untersuchung werden die Patienten geröntgt, während sie Stuhl ausscheiden. Allerdings wird diese unangenehme Prozedur nur in Ausnahmefällen angewendet.

Behandlung

In den allermeisten Fällen erfordern Aftervorfälle eine Operation. Diese Operation erfolgt entweder direkt am After oder durch den Bauchraum. Die Operation im Bauchraum kann minimal-invasiv im Rahmen einer Bauchspiegelung (Laparoskopie) oder durch Öffnung der Bauchdecke mit einem größeren Schnitt (Laparotomie) erfolgen.

Analprolaps-Operation über den Bauchraum

Bei der Operation über den Bauchraum wird der Darm insgesamt angehoben, um den Beckenboden zu entlasten. Damit er sich nach der Operation nicht wieder absenkt, kommen unterschiedliche Verfahren in Betracht. So kann der Darm am Kreuzbein fixiert werden. Manchmal wird auch ein Kunststoffnetz eingesetzt, um dem Darm mehr Halt zu geben. Nur bei einer Laparotomie wird der Darm zuweilen auch gestrafft.

Analprolaps-Operation am After

Bei einer Analprolaps-Operation am After entfernt der Chirurg zunächst den ausgetretenen Teil der Darmschleimhaut. Dann werden die Darmschleimhautenden zurückgeschoben, geklammert und vernäht.

Prognose

Die Heilungsaussichten nach Analprolaps gelten im Allgemeinen als gut. Mit Blick auf die OP-Verfahren lässt sich sagen, dass die Komplikations- und Rückfallrate nach den Eingriffen über den Bauchraum kleiner ist als bei der OP am After. Allerdings sind Laparoskopie und Laparotomie mit dem größeren allgemeinen Narkose- und OP-Risiko behaftet.

Vorbeugung

Die häufigste Ursache von Analprolaps sind Hämorrhoiden. Daher ist die Vorbeugung von Hämorrhoiden auch die beste Prophylaxe gegen Analprolaps. Insbesondere starkes Pressen beim Stuhlgang erhöht das Risiko. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit frischen Produkten und ausreichendes Trinken tragen wesentlich zu einer gesunden Verdauung vor. Sie fördern weiche Stühle, die übermäßiges Pressen vermeiden helfen. Zudem regt Bewegung den Darm an. Das hilft auch bei Verstopfungen. Auf Abführmittel sollten Sie verzichten. Abführmittel sind die häufigste Ursache für Verstopfungen – und damit für starkes Pressen mit den beschriebenen Folgen.

Zur Stärkung des Beckenbodens ist ein gezieltes Beckenbodentraining sinnvoll. Der Beckenboden lässt sich aber auch im Alltag trainieren. Dazu spannen Sie einfach bei passender Gelegenheit (Wartezeiten beispielsweise) die Muskeln so an, als ob Sie den Urinstrahl unterbrechen oder Stuhlgang einhalten wollten.

Jede Schwangerschaft ist eine Höchstleistung für den Beckenboden. Darum sollten Frauen in der Schwangerschaft und im Wochenbett ihren Beckenboden konsequent trainieren. Über entsprechende Übungen informieren Hebammen und Physiotherapeuten.

Autor: Charly Kahle

Stand: 01.07.2017

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