Angst

Angst und Angststörungen sind weit verbreitet. Mehr als 7 Millionen Deutsche erkranken nach Angaben des Münchner Max-Planck-Institutes an krankhafter Angst. Das entspricht einem Sechstel der Menschen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren. Mehr über Symptome, Ursachen und Therapie von Angst.

Definition

Angststörung

Wer in 100 Metern Höhe auf einer wackligen Seilbrücke steht und auf den darunter fließenden Sturzbach blickt, wird möglicherweise Angst empfinden. Die Angst vor diesem Anblick kann auch ein guter Grund sein, gar nicht erst auf diese Hängebrücke zu gehen. Wenn das Reiseziel nur über solche Seilbrücken zu erreichen ist, erscheint die Wahl eines anderen Urlaubsortes nachvollziehbar. Dieses Beispiel veranschaulicht: Angst ist ein normales menschliches Gefühl, das uns vor Gefahren warnen soll. Wenn aber alleine die Vorstellung von einer Seilbrücke ausreicht, um sich nicht mehr aus der eigenen Wohnung zu trauen, liegt der Verdacht auf eine sogenannte Angststörung, wie Phobien und Panikattacken, nahe. Glücklicherweise sind übertriebene Ängste in den allermeisten Fällen mit einer Verhaltenstherapie beim Psychotherapeuten gut zu behandeln.

Angst vor der Angst

Wenn die natürliche Angstreaktion gestört ist, entwickelt sich bei vielen Menschen ein Kreislauf der Angst: Diese Angst vor der Angst führt zu Verhaltensweisen, die zunehmend nur ein Ziel kennen: Die Angst zu vermeiden. Am einfachsten ist es für die meisten Menschen, den angstauslösenden Situationen aus dem Weg zu gehen. So entwickeln sich Verhaltensweisen wie des Drückebergers, der sich nichts mehr zu traut. Oder des aggressiven Menschen oder Neinsagers, der jedes Ansinnen vehement abwehrt. Letztlich führen diese und andere Verhaltensweisen in die Isolation und verstärken die Ängste. Denn wer sich seinen Ängsten nicht stellt, kann nicht die positive Erfahrung machen, Ängste zu bewältigen.

Häufigkeit

Die Weltgesundheitsorganisation WHO nennt Angststörungen als zweithäufigste psychische Erkrankung nach Depressionen. Frauen sind insgesamt etwa doppelt so häufig von zu viel Angst betroffen wie Männer. Jüngste Studien legen außerdem nahe, dass Angsterkrankungen immer früher beginnen – im Kindheitsalter ab etwa 10 Jahren (siehe auch: Angststörungen bei Kindern).

Symptome

Angst ist eine Reaktion des menschlichen Organismus, die einerseits vor Gefahren warnen soll und andererseits Kräfte bereitstellt, um der Gefahr zu begegnen. Im Grunde ist Angst eine umfassende Stress-Reaktion, die auf drei Komponenten hat:

  • körperliche Symptome der Angst
  • Angst-Gedanken
  • Verhalten bei Angst

Im Folgenden mehr zu den drei Komponenten der Angst.

Körperliche Symptome der Angst

Die meisten Menschen kennen die körperlichen Symptome der Angst aus eigener Erfahrung. Am deutlichsten spürbar sind – in unterschiedlichen Ausprägungen - ein beschleunigter Pulsschlag, weiche Knie und das flaue Gefühl im Magen. Dazu kommen häufig Gleichgewichtsstörungen wie Schwindel, Hitze- oder Kälteschauer, Tränenlaufen, Mundtrockenheit, Atemnot oder schwarz werden vor den Augen.

Diese körperlichen Symptome der Angst gehen auf unmittelbare Reaktionen des Organismus zurück. Der beschleunigte Herzschlag beispielsweise soll den Körper, vor allem die Muskeln, über das Blut besser mit Nährstoffen versorgen, um schnell und kräftig auf die Bedrohung reagieren zu können. Dazu wird auch das Blut aus dem Gehirn oder dem Bauch umgeleitet: Das erklärt Schwindelgefühle und das flaue Gefühl im Magen.

Gedankliche Symptome der Angst

Die Rolle der Gedanken für die Symptome der Angst können Sie sich mit einem kleinen Experiment selbst vor Augen führen. Messen Sie einfach Ihren Puls und stellen Sie sich dann eine Situation vor, vor der Sie Angst haben. Innerhalb von Sekunden wird der Pulsschlag sich merklich erhöhen.

Psychologen gehen davon aus, dass 90 Prozent aller Ängste ausschließlich in unserem Kopf entstehen. Die gute Nachricht: So, wie Ängste durch die Kraft der Gedanken entstehen, können sie auch durch Gedanken gestoppt werden. Bei Angststörungen ist dazu in der Regel die Hilfe eines Psychotherapeuten notwendig. Bei leichten Alltags-Ängsten können auch die unter „Selbsthilfe bei leichten Ängsten“ weiter unter genannten Tipps helfen.

Verhaltenskomponente der Angst

Jeder Mensch ist verschieden. Die einen stellen sich der Gefahr (Angriff ist die beste Verteidigung), andere vermeiden sie. Das entspricht zum einen dem biologisch angelegten Schreck- oder Fluchtverhalten, zum anderen sind Angstreaktionen – vor allem in früher Kindheit - erlernt. Wenn etwa ein Elternteil Angst vor Hunden hat, wird dies mit höherer Wahrscheinlichkeit auch auf das Kind zutreffen.

Unglücklicherweise entwickeln angstgestörte Menschen im Laufe der Zeit häufig ein Vermeidungsverhalten. Das heißt, Sie versuchen, Ihren Ängsten aus dem Weg zu gehen. So treiben übersteigerte Ängste diese Menschen immer weiter in den Rückzug und beschneiden erheblich die Lebensqualität. Grund dafür ist die Angst vor der Angst.

Behandlung

Glücklicherweise gibt es sehr erfolgreiche Methoden, krankhafte Ängste zu bewältigen. Das erfolgreichste Mittel, Ängste zu bewältigen, ist die sogenannte Konfrontationstherapie. Dabei handelt es sich um eine Methode aus der kognitiven Verhaltenstherapie. Das Vorgehen ist von außen betrachtet einfach: Die ängstlichen Menschen werden - psychotherapeutisch vorbereitet und begleitet - immer näher an die Auslöser ihrer Angst geführt.

Ängste lassen oft schnell nach

Die Informationen über die Angst aus der psychotherapeutischen Vorbereitung und die tatsächlichen Erfolgserlebnisse in der behutsamen Konfrontation mit den angstauslösenden Situationen oder Reizen führen in den meisten Fällen innerhalb von wenigen Wochen dazu, dass übersteigerte Ängste und Angststörungen deutlich nachlassen.

Selbsthilfe gegen leichte Ängste

Bei leichten Angstgefühlen helfen vor allem Entspannungsübungen und Auto-Sugestionen. Zu den einfachsten Entspannungsübungen zählen Atemtechniken. Wahrscheinlich haben Sie schon erlebt, wie ein tiefer Atemzug Sie in einer Schreck- oder Stresssituation beruhigen und wieder handlungsfähig machen konnte. Eine etwas aufwendigere und sehr wirksame Entspannungstechnik ist die progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Regelmäßig angewendet senkt sie die Angstschwelle. Ähnliches gilt für Yoga und Autogenes Training.

Einfache Autosuggestionen gegen Angst: Autosuggestionen sind vor allem dann hilfreich, wenn Sie sich auf eine angstbesetzte Situation vorbereiten wollen. Ein typisches Beispiel sind Ängste vor einer Prüfung. Wenn Sie sich beispielsweise vor der Prüfung – in Gedanken oder auch hörbar – wiederholt sagen: „Ich bin gut vorbereitet. Ich schaffe das!“ hilft das, leichte Ängste zu überwinden und mit weniger oder gar keinen Sorgen in die Prüfung zu gehen. Besonders in Reimform sind solche sogenannten Affirmationen oder Autosuggestionen hilfreich, denn Reime werden von der Psyche leichter und besser aufgenommen.

Den Umgang mit Autosuggestionen können Sie in vielen Volkshochschulen, Gesundheitszentren oder auch Sportvereinen in Kursen für Yoga, autogenes Training oder Mediation erlernen. Viele Krankenkassen fördern diese Kurse. Fragen Sie dort nach.

Autor: Charly Kahle

Stand: 15.05.2018

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