Bilharziose (Schistosomiasis)

Bilharziose oder Schistosomiasis ist eine Tropenkrankheit, die durch Pärchenegel verursacht wird. Weltweit sind etwa 200 Millionen von Schistosoma befallen. In afrikanischen Ländern sterben etwa 200.000 Menschen pro Jahr an den Folgen chronischer Bilharziose. Urlauber aus unseren Breiten allerdings sind nur selten betroffen. Bilharziose lässt sich zuverlässig mit einem Wurmmittel behandeln. Lesen Sie mehr über die Symptome, Ursachen, Therapie und Vorbeugung von Bilharziose.

Synonyme

Bilharziose, Schistosomiasis

Definition

Tropenkrankheiten

Bilharziose: Was ist das? In Deutschland sind Bilharziose bzw. Schistosomiasis den meisten Menschen kein Begriff. Kein Wunder: Die Zahl der Erkrankten hierzulande liegt im Durchschnitt bei wenigen Dutzend Fällen pro Jahr. Fast immer sind es Afrika-Urlauber oder Einwanderer. Weltweit ist die Tropeninfektion hingegen deutlich stärker verbreitet. Nach Angaben der Weltgesundheitsinformation WHO sind etwa 200 Millionen Menschen in mehr als 70 Ländern des Tropengürtels mit dem Bilharziose-Erreger infiziert. Insgesamt sind etwa 700 Millionen in Afrika, Lateinamerika, Südostasien und dem Nahen Osten von der Erkrankung bedroht. Etwa 200.000 Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen der Bilharziose.

Geplante Ausrottung von Bilharziose

Die WHO und der deutsche Pharmahersteller Merck KGaA sind seit 2007 gegen Schistosomiasis aktiv. Ihr Ziel: Bis 2030 soll Bilharziose ausgerottet sein. Dafür stellt das Darmstädter Unternehmen jährlich bis zu 250 Millionen Tabletten des Wurmmittels Praziquantel im Wert von 20 Millionen Euro kostenlos zur Verfügung. Schon eine Tablette kann die Krankheit heilen. Allerdings ist der aktuelle Wirkstoff für Kinder unter 6 Jahren nicht geeignet. Gegenwärtig arbeitet Merck an der Entwicklung eines Wirkstoffes für diese Kinder. Nach Angaben des Unternehmens könnte er 2019 zugelassen werden.

Symptome

Im Verlauf der Bilharziose werden zwei Stadien unterschieden: das Penetrationsstadium bzw. die akute Bilharziose und die chronische Bilharziose. Beide Stadien verlaufen nicht bei allen Menschen gleich. In den meisten Fällen bleibt es bei eher gering ausgeprägten Beschwerden. Es sind aber auch sehr schwere Verläufe möglich. Das hängt vor allem davon ab, welche der 5 unterschiedlichen Wurmarten (siehe Ursachen) die Infektion auslöst und wie stark die Würmer sich vermehren konnten.

Symptome der akuten Bilharziose

In den ersten Tagen nach dem Eindringen der Wurmlarven in die Haut gibt es häufig keine Anzeichen für die Infektion. Nach 6 bis 48 Stunden aber stellt sich ein Hautausschlag ein, der oft mit einem hartnäckigen Juckreiz verbunden ist. Zuweilen verstärken sich die Hautreaktionen bis hin zur Nesselsucht. Diese Phase wird auch als Zerkarien-Dermatitis oder Penetrationsstadium bezeichnet.

Je nach Erregerform, insbesondere nach einer Erstinfektion mit S. japonicum und S. mekongi, kann es aber auch zu sehr hohem und mitunter lebensbedrohlichem Fieber (Katayama-Fieber) kommen. Das Fieber steigt rasch an, dazu kommen Schüttelfrost, Kopfschmerzen und Husten. Durch die Ablagerung von Antigen-Antikörper-Komplexen in unterschiedlichen Organen sind Leber- und Milzvergrößerungen, Lymphbahnentzündungen und Entzündungen der Nierenfunktionskörperchen möglich.

Am gefährlichsten ist die akute Phase der Bilharziose, wenn die Erreger neurologische Komplikationen verursachen. Dann besteht mitunter Lebensgefahr.

Das Tückische am Verlauf von Bilharziose ist, dass die Symptome sich nicht bei jedem Menschen zeigen. Es ist sogar möglich, dass die akute Phase ganz ohne Beschwerden verläuft.

Symptome der chronischen Bilharziose

Die chronische Phase der Bilharziose unterscheidet sich nach Art der Schistosoma und dem Befall der Organe. Die Symptome werden durch den zunehmenden Verschluss der Kapillaren (feinste Blutgefäße) durch die Schistosomeneier bzw. durch die entzündliche Reaktion des Organismus auf die abgelegten Eier hervorgerufen. Es bilden sich sogenannte Eiergranulome mit Verkalkungen und Narben im Gefäßgeflecht. Damit verändert sich die Durchblutung des entsprechenden Organs, zudem erhöht sich der Druck im Gefäßsystem.

Blasen-Bilharziose

Beim Befall der ableitenden Harnwege sind Schmerzen beim Wasserlassen und blutiger Urin typische Symptome. Häufig sind auch aufsteigende Harnwegsinfektionen. Die Schistosomeneier verändern die Harnblasenwand so, dass sich das Risiko von Blasenkrebs erhöht. Bei mehr als 60 Prozent der betroffenen Frauen ist auch der Genitaltrakt beteiligt. Bei einem Befall der Eileiter beispielsweise erhöht sich die Gefahr von Eileiterschwangerschaften oder Unfruchtbarkeit.

Darm-Bilharziose

Bei der Darm-Bilharziose kann es zu einer Darm-Entzündung mit Bauchschmerzen und blutig-schleimigen Durchfällen kommen. Teilweise bilden sich infolge der Eieransammlungen Schleimhautwucherungen und entzündliche Darmwandveränderungen. Weitere typische Symptome sind Müdigkeit und Blutarmut (Anämie).

Leber-Bilharziose

Im Darmvenengeflecht abgelegte Eier gelangen mit dem Blut mitunter ins Pfortadersystem der Leber. Das führt zu einem Hochdruck in der Lebervene, der zu einer Lebervergrößerung (Hepatomegalie) führen kann. Die beeinträchtigte Leberfunktion wiederum kann Ödeme in der Bauchhöhle (Aszites) begünstigen. Weitere Folgen der Leber-Bilharziose sind mitunter innere Blutungen. Zuweilen gelangen die Eier auch in das Nervensystem. Dann kann es zu schweren neurologischen Komplikationen und Krämpfen kommen.

Bade-Dermatitis

Die Bade-Dermatitis ist eine harmlose Zerkarien-Infektion, die auch hierzulande zuweilen von Wasservögeln übertragen wird. Da der Mensch als Wirt für die Parasiten nicht geeignet ist, sterben die Zerkarien schon nach kurzer Zeit ab. Die Eindringstelle verhält sich ähnlich wie ein Mückenstich. Das Immunsystem „merkt“ sich den Erreger, um ihn beim nächsten Kontakt schnell und effektiv bekämpfen zu können. Bei einem wiederholten Eindringen von Zerkarien folgt eine stärkere Abwehrreaktion mit hautallergieähnlichen Symptomen wie Juckreiz, Rötungen oder quaddelförmigen Hautveränderungen.

Ursachen

Erreger der Bilharziose ist der zu den Saugwürmern zählende Pärchenegel. Die Gattung wird als Schistosoma bezeichnet. Daher auch die Krankheitsbezeichnung Schistosomiasis.

Die häufigsten Arten von Schistosoma

In den Ländern der Tropen leben unterschiedliche Arten von Schistosoma, die nach einer Infektion auch sehr unterschiedliche Krankheitsbilder erzeugen. Die wichtigsten Arten und Lebensräume des Wurms sind:

  • Schistosoma haematobium lebt vor allem in Afrika, dem Nahen Osten und Indien. Dieser Erreger verursacht die Blasenbilharziose, bei der vor allem die Blase und die Harnwege betroffen sind (Urogenitalbilharziose).
  • Schistosoma mansoni, intercalatum, japonicum und mekongi befallen vor allem den Darm (Intestinalbilharziose). Sie kann aber auch in andere Organe gelangen, etwa in Lunge, Leber oder das Gehirn. Diese Form des Bilharziose-Erregers ist in Afrika, dem Nahen Osten sowie in Süd-Zentralamerika und Südostasien heimisch.

Gemeinsam ist den unterschiedlichen Arten der Lebensraum: Die Larven (Zerkarien) fühlen sich in dreckigem, stehendem oder langsam fließendem Süßwasser besonders wohl. Beim Baden oder Waschen dringen sie durch tierische oder menschliche Haut in den Organismus ein. Auch beim Trinken von zerkarienhaltigem Wasser kann man sich infizieren. Die Infektion erfolgt ausschließlich durch verschmutztes Wasser. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

Von der Larve bis zum Pärchenegel

Einmal im menschlichen Körper nisten sich die Larven im Unterhautfettgewebe ein und wachsen zu einem jungen Wurm, dem Schistosomulum, heran. Der wandert über den Blutkreislauf in die Lunge und weiter zur Leber. Im Pfortader-System der Leber reift der Wurm zum erwachsenen Egel aus. Dann erfolgt die Paarung. Dabei legen die 6 bis 26 mm langen Männchen ihre Seitenränder dauerhaft um das Weibchen – daher auch die Bezeichnung Pärchenegel. Die nun gepaarten Egel wandern je nach Erreger weiter in das Venengeflecht der Blase oder des Darms und legen pro Tag etwa 300 bis 3.000 Eier ab.

Untersuchung

Wer nach einer Reise krank wird, sollte immer die Möglichkeit der Ansteckung mit einer mehr oder weniger exotischen Reisekrankheit in Erwägung ziehen. Das gilt im Fall von Bilharziose vor allem dann, wenn man in den Verbreitungsgebieten des Parasiten in Süßwasser gebadet hat. Auch wer Essen mit kontaminiertem Wasser zubereitet, kann sich infizieren. Daher sollten Sie im Fall der Fälle Ihren Arzt bei plötzlichen Krankheitszeichen über solche Einzelheiten informieren.

Für den Nachweis einer Zerkarien-Infektion steht eine ganze Reihe von Methoden zur Verfügung. Dazu zählen Tests, die Antikörper oder DNA von Schistosoma im Blut nachweisen. Die Eier des Wurms gelangen frühestens nach 5, spätestens aber 12 Wochen, in Stuhl oder Urin.

In fortgeschrittenen Stadien können Ultraschall-Untersuchungen, Magnetresonanztomografie oder Computertomografie Aufschluss geben. Gewebeproben aus Organen oder Blasen- und Enddarmspiegelungen sind weitere Diagnosemittel.

Behandlung

Die Behandlung von Bilharziose ist vergleichsweise einfach. Eine medikamentöse Therapie mit dem Wirkstoff Praziquantel rottet die Würmer zuverlässig aus. Dazu reicht in den meisten Fällen schon eine Tablette. Mitunter ist aber eine länger andauernde Behandlung erforderlich, auch in Kombination mit Kortikosteroiden. Je nach Symptomatik kommen zudem fiebersenkende und schmerzlindernde Wirkstoffe zum Einsatz.

Prognose

Die medikamentöse Therapie von Bilharziose ist in der Regel sehr zuverlässig. Nach einer Behandlung sind Kontrolluntersuchungen notwendig. Auch bei Beschwerdefreiheit sollte sicherheitshalber nach 6 bis 12 Monaten sowie nach 2 Jahren getestet werden, ob noch Eier in Stuhl oder Harn zu finden sind oder Antikörper im Blut nachgewiesen werden können. So lassen sich mögliche Spätkomplikation durch unerkannte Neuinfektionen vermeiden.

Vorbeugung

Glücklicherweise ist die Verbreitung von Schistosoma regional begrenzt. Außerdem ist der Erreger auf bestimmte Süßwasserschnecken als Zwischenwirt angewiesen. Dadurch wird das Infektionsrisiko begrenzt. Am wichtigsten für zuverlässige Bilharziose-Vorbeugung aber ist das eigene Verhalten in Risikogebieten. Das bedeutet:

  1. Ungeschützten Haut mit stehendem und langsam fließendem Süßwasser konsequent vermeiden. Schon das Durchwaten eines flachen Flussbettes kann zu einer Infektion führen. Auch künstliche Seen in Hotels beispielsweise können belastet sein.
  2. Wenn sich der Kontakt mit Wasser nicht vermeiden lässt: geschlossene Schutzkleidung tragen, beispielsweise Trocken-Neoprenanzüge und Taucherschuhe.
  3. Lebensmittel oder Wäsche nicht mit potenziell infektiösem Wasser waschen.
  4. Kein potenziell infiziertes Wasser trinken oder zum Zähneputzen verwenden.

Grundsätzlich kommt der Hygiene in tropischen Gebieten eine besondere Rolle zu. Als Faustregel gilt: Nicht zweifelsfrei sauberes Wasser grundsätzlich abkochen. So lassen sich auch andere Reisekrankheiten wie Typhus, Cholera oder Reisedurchfall vermeiden – und dem schönen Urlaub steht nichts entgegen.

Autor: Charly Kahle

Stand: 01.11.2016

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