Eierstockkrebs

Eierstockkrebs ist nach dem Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) und dem Gebärmutterkrebs (Endometriumkarzinom) der dritthäufigste Unterleibskrebs bei Frauen. Allerdings hat Eierstockkrebs die schlechteste Prognose. Hier erfahren Sie mehr über die Symptome, die Ursachen, die Diagnose und die Therapie von Eierstockkrebs.

Synonyme

Ovarialkarzinom

Definition

Eierstockkrebs

Eierstockkrebs ist die gängige Bezeichnung für bösartige Veränderungen an den Eierstöcken (Ovarien), die Mediziner als Ovarialkarzinom bezeichnen. Da diese Krebsform, wie viele andere auch, erst in sehr späten Stadien Beschwerden verursacht, wird sie auch erst spät entdeckt. Bei 70 Prozent der Patientinnen wird Eierstockkrebs erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Damit sind die Heilungschancen entsprechend schlecht. Fünf Jahre nach Diagnosestellung lebt nur noch etwa ein gutes Drittel der Patientinnen.

Häufigkeit

Jährlich erkranken etwa 9.000 Frauen in Deutschland mit durchschnittlich etwa 65 Jahren an Eierstockkrebs, aber auch jüngere Frauen sind betroffen. Kinderlose und spätgebärende Frauen haben gegenüber der Normalbevölkerung ein mehr als doppelt so hohes Risiko Eierstockkrebs zu entwickeln.

Symptome

Die Symptome von Eierstockkrebs sind lange Zeit nicht spürbar und so wächst das Ovarialkarzinom in der Regel lange unbemerkt – bis zu einem gewissen Punkt. Häufig treten die Beschwerden bei Eierstockkrebs plötzlich, sozusagen aus voller Gesundheit, auf. Typische, wenn auch unspezifische, Symptome sind:

  • Leistungsminderung
  • allgemeine Schwäche
  • leichtes Krankheitsgefühl
  • gesteigertes Schlafbedürfnis.

Des Weiteren können Verdauungsstörungen, wie Magenschmerzen, Blähungen und Blähbauch, Durchfall oder Verstopfung auf Eierstockkrebs hinweisen. Als Alarmsignal für Eierstockkrebs gelten Menstruationsbeschwerden und Blutungsstörungen. Deshalb sollten Sie Blutungen außerhalb der monatlichen Regelblutung und vor allem Blutungen nach den Wechseljahren unbedingt zum Frauenarzt führen. In fortgeschrittenen Stadien verursacht Eierstockkrebs ein Druckgefühl oder Schmerzen im Bauchbereich, tiefe Rückenschmerzen, Gewichtsverlust, Störungen beim Wasserlassen sowie eine Umfangszunahme des Bauches durch Flüssigkeitsbildung (Aszites).

Leider gibt es keine anerkannte, effektive Früherkennungsmethode. Gehen Sie daher umgehend zum Frauenarzt, wenn Blutungen außerhalb der monatlichen Regelblutung sowie Blutungen nach den Wechseljahren auftreten. Wenn Sie beispielsweise eine nicht offenkundig erklärbare Gewichtszunahme erleben oder sich ohne erkennbare Ursache krank fühlen, gehen Sie besser auch zum Arzt. Außerdem tun Sie gut daran, die bei vielen Frauen nicht sehr beliebten Routinekontrollen beim Frauenarzt regelmäßig wahrzunehmen. In der Praxis werden Sie für den Fall der Fälle auch über die Behandlung von Eierstockkrebs informiert.

Ursachen

Bei den Ursachen von Eierstockkrebs scheinen genetische Faktoren eine Rolle zu spielen. Zudem erhöhen bestimmte Risikofaktoren die Wahrscheinlichkeit an Eierstockkrebs zu erkranken.

Eierstockkrebs genetisch bedingt

Etwa 5 Prozent aller Ovarialkarzinome sind genetisch bedingt. Mutationen der Gene BRCA1 und BRCA2, die auch bei der Entstehung des Brustkrebses eine Rolle spielen, sind dabei maßgeblich.

Risikofaktoren von Eierstockkrebs

Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken.

Eierstockkrebs häufig im Alter

Mit zunehmendem Altersteigt das Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken, deutlich an. Durchschnittlich erkranken Frauen mit 69 Jahren an Eierstockkrebs. Frauen vor dem 50. Lebensjahr sind nur sehr selten davon betroffen.

Länderunterschiede bei Eierstockkrebs

An Eierstockkrebs erkranken vor allem Frauen mit weißer Hautfarbe sowie Frauen aus hoch entwickelten Ländern Westeuropas und Nordamerikas. Viele Experten machen für Letzteres die in diesen Ländern weitverbreitete, sehr fettreiche Ernährung verantwortlich.

Eierstockkrebs hängt von der Anzahl der Eisprünge ab

Hormonelle Faktoren scheinen bei der Entstehung von Eierstockkrebs eine Rolle zu spielen. Maßgeblich dabei ist die Anzahl der Eisprünge, die eine Frau im Laufe ihres Lebens hatte. So haben Frauen mit vielen Eisprüngen ein mehr als doppelt so hohes Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken, als Frauen mit geringeren Ovulationen. Frauen, die schon sehr früh ihre erste Regel bekamen und/oder erst sehr spät in die Wechseljahre kommen, erkranken häufiger an Eierstockkrebs. Frauen, die vor, während oder nach den Wechseljahren eine Hormonersatztherapie (HET) erhalten, sind ebenfalls häufiger von Eierstockkrebs betroffen als Frauen ohne HET.

Bedingter Schutz durch Pille und Schwangerschaften

Orale Verhütungsmittel (Antibaby-Pille) und häufige Schwangerschaften scheinen hingegen schützende (protektive) Faktoren zu sein, da hierdurch die Eierstöcke „ruhiggestellt“ werden. Die „Pille“ kann aber dennoch nicht als Schutz vor Eierstockkrebs empfohlen werden, insbesondere nicht für rauchende, übergewichtige und zuckerkranke Frauen sowie für Frauen mit Lebererkrankungen oder Gefäßveränderungen. Bei allen diesen Frauen erhöht sich das Risiko – mitunter schwerer – Nebenwirkungen enorm, wie zum Beispiel das Risiko für Thrombosen oder Gefäßverschlüssen.

Brustkrebs erhöht das Risiko für Eierstockkrebs

Erkrankte die Frau bereits an Brustkrebs oder gibt es in der Familie Erkrankte mit Brustkrebs, steigt das Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken. Das Eierstockkrebsrisiko steigt auch, wenn bereits ein anderes Familienmitglied an Dickdarmkrebs erkrankte oder Eierstockkrebs hatte.

Übergewicht als Gefahr bei Eierstockkrebs

Übergewicht oder Fettleibigkeit (Adipositas) erhöhen scheinbar das Risiko, Eierstockkrebs zu entwickeln.

Untersuchung

Zur Diagnose von Eierstockkrebskommt bei einem entsprechenden Verdacht zunächst die vaginale Ultraschalluntersuchung zum Einsatz. Damit lässt sich über die Scheide ein vergrößerter Eierstock feststellen und auch ausmessen. Bei der Blutuntersuchung wird vor allem die Höhe der Tumormarker (Eiweißstoffe, die typisch bei diesem Krebs erhöht sind) bestimmt. Für das Ovarialkarzinom sind das vor allem die Tumormarker CA-125 und CA19-9. Überschreiten diese Blutwerte eine gewisse Grenze, sind bösartige Zellveränderungen im Eierstock wahrscheinlich. Bildgebende Verfahren wie Computertomografie (CT) oder Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT, funktioniert ohne Röntgenstrahlen) können sich anschließen.

Behandlung

Die ärztliche Behandlung von Eierstockkrebs richtet sich danach, wie weit fortgeschritten der Tumor ist. Dazu werden vor allem zwei Klassifikationen herangezogen, und zwar die:

  • TNM-Klassifikation (T steht für die Ausdehnung des Tumors, N für den Lymphknotenbefall und M für die Metastasierung).
  • FIGO (Fédération Internationale de Gynécologie et d'Obstétrique)-Klassifikation.

Bei Eierstockkrebs ist die FIGO-Klassifikation gebräuchlich:

  • Stadium I: Der Krebs hat einen oder beide Eierstöcke befallen.
  • Stadium II: Der Krebs hat sich im Becken ausgebreitet.
  • Stadium III: Tochtergeschwüre finden sich außerhalb des Beckens, in der Bauchhöhle oder in den Lymphknoten
  • Stadium IV: Krebszellen haben andere Körperregionen außerhalb der Bauchhöhle überschwemmt (sogenannte Fernmetastasen).

Operation von Eierstockkrebs

Die wichtigste Behandlungsstrategie von Eierstockkrebs ist die Operation. Dabei werden in der Regel die Gebärmutter mit ihren Haltebändern, ein Teil des Bauchfells und vor allem beide Eierstöcke entfernt. Von entscheidender Bedeutung ist die Entfernung allen sichtbaren Tumorgewebes während der Operation.

Chemotherapie nach Operation

Nach der Operation folgt fast immer eine Chemotherapie. Ziel der Chemotherapie ist es, eventuell noch im Körper vorhandene kleinste Tumorreste vom Eierstockkrebs selbst oder von Tochtergeschwülsten zu vernichten. Dabei werden hauptsächlich Kombinationen der Zytostatika Cisplatin und Paclitaxel oder Carboplatin und Cyclophosphamid eingesetzt. Diese modernen Substanzen können auch ambulant angewendet werden, sodass die Patientinnen nicht mehr über Wochen in die Klinik müssen.

Nachsorge nach Eierstockkrebs

Die Nachsorgeuntersuchungen nach Eierstockkrebs erfolgen im ersten und zweiten Jahr alle 3 Monate. Nach dem dritten Jahr können die Abstände auf 6 Monate gedehnt werden.

Verfrühte Wechseljahre

Da bei der Operation die Eierstöcke entfernt werden, kommt es bei jüngeren Frauen (die noch nicht in den Wechseljahren sind) zu wechseljahresähnlichen Beschwerden wie Hitzewallungen oder Schlafstörungen. Da das Ovarialkarzinom aber ein hormonabhängiger Tumor ist - das heißt er wächst verstärkt, wenn Östrogene vorhanden sind - kommt eine Hormonersatztherapie, wie sie sonst bei Wechseljahresbeschwerden eingesetzt werden kann, nicht infrage. Erleichterung können hier naturheilkundliche Alternativen wie Traubensilberkerzenpräparate und Salbeiextrakte verschaffen. Zur Nachsorge gehört auch eine Anschlussheilbehandlung, meist Reha genannt. Diese umfasst unter anderem psychologische Betreuung, allgemein aufbauende Maßnahmen aus dem physiotherapeutischen Bereich, sexualmedizinische Beratung und vieles andere mehr. Alle Inhalte dieser Anschlusstherapie haben zum Ziel, die Lebensqualität der Patientinnen zu verbessern.

Rückfallquote und Heilungsaussichten

Trotz sorgfältiger Operation kann Eierstockkrebs erneut auftreten, wenn nicht alles Tumorgewebe entfernt werden konnte und auch die erste Chemotherapie nicht alle Krebszellen zerstört hat. Ist dies der Fall, wird in der Regel eine zweite Chemotherapie verordnet.

Krankheitsverlauf

Das hohe Rückfallrisiko und die späte Diagnosestellung sind die Gründe für die schlechte Prognose bei Eierstockkrebs. Die 5-Jahres-Überlebenrate beträgt nur 30 bis 40 Prozent. Allerdings gilt auch hier: Je früher der Eierstockkrebs entdeckt wird, umso besser die Überlebenschance. Wird der Krebs in einem sehr frühen Stadium entdeckt, leben nach fünf Jahren noch vier Fünftel der Erkrankten.

Vorbeugung

Eine zuverlässige Vorbeugung von Eierstockkrebs ist nicht möglich.

Autor: Charly Kahle, Mitarbei: Angelika Ramm-Fischer (Ärztin)

Stand: 28.05.2017

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