Enzephalitis (Gehirnentzündung)

Enzephalitis ist der Fachbegriff für Gehirnentzündung. Dabei handelt es sich um eine lebensgefährliche Infektion, die meist durch Viren verursacht wird. Die rechtzeitige Behandlung ist lebensrettend. Hier erfahren Sie alles Wissenswerte über Symptome, Ursachen, Therapie und Vorbeugung einer Enzephalitis.

Synonyme

Gehirnentzündung, Hirnentzündung

Definition

Encephalitis

Enzephalitis ist der aus dem Altgriechischen abgeleitete Fachausdruck für Gehirnentzündung. In der Regel werden Gehirnentzündungen durch Viren verursacht. Viele Menschen kennen Gehirnentzündungen beispielsweise als Spätfolge einer Masern- oder Herpesinfektion. Es gibt aber noch eine ganze Reihe anderer Ursachen. Ohne Behandlung verläuft Enzephalitis tödlich. Selbst bei geeigneter Therapie überleben – je nach Form der Gehirnentzündung – bis zu 20 Prozent der Betroffenen nicht. Je früher die Therapie beginnt, umso besser ist die Prognose.

Eine Enzephalitis kann isoliert auftreten oder in Kombination mit Entzündungen der Hirnhaut oder des Rückenmarks. Bei einer begleitenden Hirnhautentzündung sprechen Mediziner von Meningoenzephalitis. Die in der Öffentlichkeit am meisten bekannte Form dieser Variante ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Eine auch das Rückenmark betreffende Gehirnentzündung wird als Enzephalomyelitis bezeichnet.

Formen der Hirnentzündung

Mediziner unterscheiden Hirnhautentzündungen unter anderem nach den Bereichen, in denen die Entzündung auftritt.

  • Als Panenzephalitis werden Entzündungen des gesamten Gehirns bezeichnet. Die Panenzephalitis ist die mit Abstand häufigste Form der Hirnentzündung.
  • Bei Leukenzephalitis, eine andere Bezeichnung lautet Leukoenzephalitis, sind die Nervenfasern der weißen Hirnsubstanz betroffen. Typisch ist diese Form beispielsweise bei Multipler Sklerose.
  • Bei Polioenzephalitis sind die Nervenzellkörper der grauen Hirnsubstanz entzündet, insbesondere bei Poliomyelitis (Kinderlähmung).

Häufigkeit

Enzephalitis ist eine seltene Erkrankung. Die häufigste Form der viralen Gehirnentzündung wird durch Herpes-Viren verursacht. In Deutschland kommt es zu 1 Fall pro 100.000 Einwohnern und Jahr. Das bedeutet für diese Erkrankungsvariante eine Häufigkeit von ca. 80 Fällen.

Symptome

Enzephalitis beginnt in der Regel mit unspezifischen Symptomen wie Abgeschlagenheit, Fieber, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Übelkeit oder Erbrechen. Wenn die Gehirnentzündung fortschreitet, kommen charakteristische neurologische Symptome hinzu, die sich im Verlauf der Erkrankung oft verstärken. Das sind vor allem:

  • Beeinträchtigungen der Sehfähigkeit, von Lichtempfindlichkeit bis hin zu deutlichen Sehstörungen (Doppelbilder) oder Lähmungen der Augenmuskulatur
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • Sprechstörungen, Einschränkungen im Geruchsempfinden
  • vegetative Störungen, oft mit abfallendem Herzschlag
  • kurzfristige Bewusstseinsstörungen wie Ohnmacht, Schwindel oder Verwirrtheit
  • eingeschränkte Geschicklichkeit in Routine-Handlungsabläufen, unsicherer Gang
  • Stimmungsschwankungen, psychotische Schübe mit Verfolgungswahn oder Halluzinationen
  • Krampanfälle und Lähmungen (vor allem in den Armen).

Bei einer Meningoenzephalitis, also bei Beteiligung der Hirnhäute, gilt Nackensteife als hinweisgebendes Symptom.

Komplikationen

Zu den schwerwiegendsten Komplikationen von Enzephalitis zählen anhaltende Krampfanfälle (Status epilepticus), Hirnblutungen und Hirnschwellungen (Hirnödeme). Diese Komplikationen stellen Notfälle dar, die unbedingt sofortige notärztliche Hilfe erfordern. Weitere, langfristige Komplikationen sind bleibende geistige Beeinträchtigungen, Wesensänderungen und autismusähnliche Verhaltensauffälligkeiten sowie Epilepsie. Zuweilen entwickelt sich aus einer Enzephalitis als Spätkomplikation die Parkinsonkrankheit.

Ursachen

In den allermeisten Fällen werden Hirnentzündungen durch Viren verursacht. Es gibt aber auch eine ganze Reihe von Bakterien, Einzellern, Prionen, Pilzen oder Würmern, die Enzephalitis auslösen können. Auch Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose können zu Gehirnentzündungen führen.

Die wohl bekannteste Ursache für virale Gehirnentzündungen ist die Masernenzephalitis, die bei 1 von 1.000 Masern-Infizierten auftritt. Eine noch gefährlichere von Masern ausgelöste Gehirnentzündung bezeichnen Mediziner als subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE). Die subakute sklerosierende Panenzephalitis ist unheilbar und endet immer tödlich. Mehr darüber lesen Sie im Ratgeber Masern.

Neben den Masernviren können die folgenden Viren eine Gehirnentzündung verursachen (in Klammern die dazugehörigen Erkrankungen):

Zudem können die bakteriellen Erreger von Erkrankungen wie Borreliose, Syphilis, Typhus oder Tuberkulose Ursache von Enzephalitis sein. Selten werden Gehirnentzündungen zudem durch Toxoplamose-Erreger oder andere Einzeller sowie Pilze, Würmer, Prionen oder Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose ausgelöst.

Risikogruppen

Bei gesunden Erwachsenen über 25 Jahre sind Gehirnentzündungen eher selten. Ein größeres Risiko haben Kinder, junge Erwachsene und alle Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

Untersuchung

Bei fortgeschrittener Enzephalitis ist die Diagnose vergleichsweise einfach. Einerseits sprechen die neurologischen und motorischen Symptome für sich. Andererseits sind die Erreger der Gehirnentzündung oder Antikörper bei fortgeschrittenen Stadien – wenn auch mit einigem Aufwand - nachweisbar. Sie finden sich im Nervenwasser des Rückenmarks. Eine Probe dieses Liquors wird bei einer sogenannten Lumbalpunktion entnommen.

Weitere diagnostische Verfahren zum Nachweis einer Hirnentzündung sind das Elektroenzephalogramm (EEG), Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT).

Behandlung

Die Therapie von Enzephalitis erfolgt im Rahmen einer stationären Behandlung im Krankenhaus, in der Regel auf einer Intensivstation. Die engmaschige Überwachung dient dazu, Komplikationen zu vermeiden bzw. schnell beherrschen zu können.

Die medikamentöse Therapie der auslösenden Erreger beginnt in der Regel mit einer Kombination von antiviralen und antibakteriellen Wirkstoffen. Da der Nachweis der Erreger mitunter einige Tage braucht, wird so sichergestellt werden, dass die Erreger so schnell wie möglich bekämpft werden. Wenn der Erreger der Gehirnentzündung gefunden ist, wird die Medikation auf den Erreger abgestimmt.

Virale Gehirnentzündungen werden schon bei Verdacht sofort mit dem antiviralen Wirkstoff Aciclovir behandelt. In der Regel erhalten die Betroffenen hohe Dosierungen als Tropf direkt in die Blutbahn. In der Behandlung einer bakteriellen Enzephalitis werden die zu den jeweiligen Bakterienarten passenden Antibiotika angewendet.

Die Therapie von Gehirnentzündungen kann durchaus langwierig sein. Bei viraler Enzephalitis werden die antiviralen Medikamente über einen Zeitraum von mindestens 3 Wochen verabreicht.

Prognose

Die Heilungsaussichten bei Enzephalitis hängen wesentlich von der Ursache (also dem Erreger), dem Zeitpunkt der Diagnose und des Behandlungsbeginns sowie dem Allgemeinzustand der Betroffenen ab. Dabei gilt: Je früher die Therapie (möglichst in einer neurologischen Abteilung) beginnt, umso besser sind die Chancen auf vollständige Genesung.

Bei der häufigsten Form, der Gehirnentzündung durch Herpes-Simplex-Viren, liegt die Überlebensrate bei ungefähr 80 Prozent. Allerdings ist es möglich, dass dauerhafte Nervenschäden zurückbleiben. Bei einer Gehirnentzündung durch FSME-Viren ist die Überlebensrate mit 98 Prozent deutlich höher.

Vorbeugung

Die beste Vorbeugung von Gehirnentzündungen besteht darin, sich gegen die auslösenden Viren impfen zu lassen bzw. vor Infektionen durch andere Maßnahmen zu schützen. Informationen über Impfungen bzw. Schutzmaßnahmen finden Sie auch bei folgenden Krankheitsbildern

Autor: Charly Kahle

Stand: 01.07.2017

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