Hanta-Fieber

Hanta-Fieber: Das klingt nach einer exotischen Reisekrankheit, mit der man sich in Afrika oder Asien anstecken kann. Tatsächlich ist dieses hämorrhagische Fieber auch in Deutschland durchaus verbreitet. Nur: Hanta-Fieber macht weniger Schlagzeilen als seine Verwandten wie Ebola. Todesfälle sind selten. Lesen Sie hier alles Wichtige über die Reisekrankheit Hanta-Fieber.

Synonyme

Hantavirose

Definition

Fieber Arzt

Was ist Hanta-Fieber eigentlich? Hanta-Fieber gehört zu den hämorrhagischen Fiebererkrankungen. Hämorrhagische Erkrankungen heißen so, weil diese Infektionen eine erhöhte Neigung zu Blutungen verursachen. Vor allem innere Blutungen und damit einhergehende Organschäden machen hämorrhagische Fieber wie Ebola, Marburgfieber oder Gelbfieber so gefährlich. Hanta-Fieber verläuft in der Regel deutlich milder als Ebola und Co. Nur selten gibt es Todesfälle nach einer Hanta-Virus-Infektion.

Häufigkeit

In Deutschland verursachen Hanta-Viren in der Regel eine milde Form des Hanta-Fiebers: das hämorrhagische Fieber mit Nieren-Beteiligung. Mediziner sprechen von Nephropathia epidemica, kurz NE.

Die Anzahl der Erkrankungen schwankt von Jahr zu Jahr. Nach Angaben des Robert-Koch-Institutes (RKI) liegt der bisherige Höhepunkt im Jahr 2012 mit 2.825 gemeldeten Hanta-Virus-Infektionen (3,5 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner). Die Dunkelziffer wird allerdings höher liegen, da viele Hanta-Infektionen mild oder ohne Symptome verlaufen.

Symptome

Die meisten Erkrankungen verlaufen ohne Beschwerden (asymptomatisch) oder so leicht, dass sie nicht einmal als Hanta-Fieber diagnostiziert werden. Der klassische symptomatische Verlauf setzt nach einer Inkubationszeit (Zeit von der Ansteckung bis zum Auftreten erster Beschwerden) zwischen 5 und 60 Tagen ein, üblicherweise nach 2 bis 4 Wochen. Dann beginnt die Hanta-Virus-Infektion mit abrupt einsetzendem Fieber von mehr als 38,5 Grad Celsius, das 3 bis 4 Tage andauert. Das Fieber ist begleitet von allgemeinen Krankheitssymptomen wie grippeähnlichen Beschwerden, Leistungsschwäche, Abgeschlagenheit, Müdigkeit sowie Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen.

Unterschiedliche Verläufe je nach Virustyp

Im Normalfall genesen die Patienten nach ein paar Tagen vollständig. Nach durchgemachter Infektion besteht nach gegenwärtigem Stand des Wissens eine lebenslange Immunität gegen den Virustyp. Nur wenige Fälle von Hanta-Fieber verlaufen schwer. Das hängt vor allem davon ab, welcher Virentyp das Fieber verursacht.

Nephropathia epidemica (NE)

Die in Deutschland vorherrschenden Puumala- und Dobrava-Belgrad-Viren verursachen nur sehr selten hämorrhagische Verläufe. Zuweilen aber werden die Nieren in Mitleidenschaft gezogen. Mediziner sprechen von Nephropathia epidemica. Sie betrifft vor allem die Nieren, die in ihrer Funktion beeinträchtigt werden können oder selten sogar ganz versagen. Äußerst selten sind Blutdruckabfälle, die in einen lebensgefährlichen Schock münden können.

Ein Hinweis auf eine mögliche Hanta-Infektion ist auch für Laien leicht erkennbar: Bei Nephropathia epidemica verfärbt sich der Urin rötlich und wird schaumig.

Hämorrhagisches Fieber mit Nierenbeteiligung (HFRS)

Europäische und asiatische Hanta-Virusstämme können ein hämorrhagisches Fieber mit Blutungen und einer deutlich stärker ausgeprägten Beteiligung der Nieren (HFRS) auslösen.

Hämorrhagisches Fieber mit Nierenbeteiligung (HFRS) beginnt üblicherweise abrupt mit hohem Fieber, das über 3 bis 4 Tage anhält. Dazu kommen Schüttelfrost, Lichtscheue, Sehstörungen, Rachenrötungen und Husten. Kurze Zeit später folgen ausgeprägte Rückenschmerzen, Bauchschmerzen, Durchfälle, Erbrechen und Schwindel. Häufig fällt der Blutdruck ab und ein Schock tritt ein.

Die Nierenfunktion verschlechtert sich zunehmend – bis hin zur Dialysepflicht. Mitunter sind auch andere Organsysteme betroffen. Möglich sind Herzmuskelentzündungen, Leberentzündungen (Hepatitis) oder Schilddrüsenentzündungen (Thyreoiditis). Auch Lunge und Gehirn beziehungsweise das zentrale Nervensystem (ZNS) können beeinträchtigt sein.

Die kritische Phase von HFRS ist überstanden, wenn die Nieren sich erholen und wieder vermehrt Urin produzieren. Die Genesungsphase kann sich jedoch über mehrere Wochen hinziehen. Nicht selten besteht in dieser Zeit ein nierenbedingter Bluthochdruck, der medikamentös gesenkt werden muss.

Hanta-Virus-induziertes-(kardio)pulmonales-Syndrom (HPS/HCPS)

Hantaviren aus Nord- und Südamerika verursachen das Hanta-Virus-induzierte-(kardio)pulmonale-Syndrom, das mit einer Beeinträchtigung von Herz und/oder Lunge einhergeht. Zu Beginn der Erkrankung steigt die Körpertemperatur schnell und stark an. Dazu kommen unspezifische Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Schwäche, Leistungseinbuße, Schwindel, Bauch-, Kopf- und Muskelschmerzen. 4 bis 10 Tage später folgen Herz- und Lungen-Symptome wie Husten, erhöhte Atemfrequenz und Atemnot. Schlimmstenfalls füllt sich die Lunge mit Wasser, Herz und Lungenfunktion versagen. 25 bis 40 Prozent der Patienten mit HPS/HCPS versterben an diesen Komplikationen.

Ursachen

Hanta-Fieber wird durch europäische oder asiatische Hanta-Viren ausgelöst. Je nach Region unterscheiden sich die Virustypen voneinander. Die bekanntesten Untergruppierungen sind Andes-, Dobrava-Belgrad-, Hantaan-, Puumala-, Seoul- und Sin-Nombre-Viren. Das Hanta-Andes-Virus kommt vor allem im asiatischen Teil Russlands, China und auf der koreanischen Halbinsel vor. Puumala- und Dobrava-Belgrad-Viren finden sich vorzugsweise in den Balkanländern, Mitteleuropa sowie dem europäischen Teil Russlands. In Nord- und Westeuropa gibt es Hanta-Fieber fast ausschließlich durch Puumala-Viren. Das Seoul-Virus ist weltweit verbreitet.

Hanta-Viren in Deutschland

Hanta-Viren kommen auch hierzulande vor. Sie werden vor allem von der Rötelmaus übertragen. Im Süden und Westen Deutschlands ist das Puumala-Virus am bedeutendsten, im Norden und Osten das Dobrava-Belgrad-Virus. Die Viren werden hauptsächlich über die Ausscheidungen (Speichel, Urin, Kot) von infizierten Ratten oder Mäusen auf den Menschen übertragen.

Die Viren können eingeatmet werden, zum Beispiel durch aufgewirbelten Staub. Sie gelangen aber auch über Hautverletzungen, die mit infiziertem Material in Kontakt geraten, in den Körper. Weitere Übertragungswege sind Mäusebisse oder der Verzehr von Nahrungsmitteln, die mit den Ausscheidungen infizierter Tiere in Berührung kamen.

In jüngster Zeit gibt es Berichte Maulwürfe und Fledermäuse, die mit dem Hanta-Virus infiziert sind. Ob diese Viren auch für den Menschen gefährlich sind, ist bislang nicht bekannt.

Eine Übertragung von Mensch zu Mensch findet kaum statt und ist auch nur bei ganz speziellen Virustypen möglich.

Behandlung

Es gibt keine ursächliche Therapie gegen Hanta-Fieber. Die Behandlung bleibt darauf beschränkt, die Symptome zu lindern und Komplikationen zu vermeiden beziehungsweise zu beherrschen. Je nach Krankheitsverlauf kann eine intensivmedizinische Therapie erforderlich sein, beispielsweise um Blutungen zu kontrollieren und den Kreislauf zu stabilisieren. Bei Nierenversagen sind Dialyse-Behandlungen notwendig, beim Atemnotsyndrom eine maschinelle Beatmung. Eine Isolation ist bei Hanta-Fieber nicht erforderlich.

In seltenen Fällen ist der frühzeitige Einsatz des antiviralen Chemotherapeutikums Ribavirin erfolgreich.

Prognose

Die Sterblichkeitsrate (Letalität) von Hanta-Fieber mit unkompliziertem Verlauf liegt in Deutschland deutlich unter 1 Prozent.

Hämorrhagisches Fieber mit Nierenbeteiligung (HFRS) hingegen überleben 5 bis 15 Prozent der Patienten nicht. Das Hanta-Virus-induzierte-kardiopulmonale-Syndrom (HPS/HCPS) endet sogar in 25 bis 40 Prozent der Fälle tödlich.

Vorbeugung

Gegen Hanta-Fieber gibt es aktuell (Mai 2017) keine Impfung. Die Vorbeugung bleibt daher darauf beschränkt, den Kontakt mit Hanta-Viren zu vermeiden. Das gelingt vor allem durch hygienische Maßnahmen.

Zunächst sollten Nagetiere im direkten Wohnbereich bekämpft werden. Bei der Entsorgung toter Mäuse und Ratten sollten Sie Handschuhe und Mundschutz tragen. Idealerweise besprühen Sie Kadaver und Exkremente vorher mit Desinfektionsmitteln.

Lebensmittel sollten so aufbewahrt werden, dass sie mit Ausscheidungen der Nager nicht in Berührung kommen.

Meldepflicht

Ärzte sind verpflichtet, Erkrankungen an Hanta-Fieber, einen Krankheitsverdacht oder den Tod durch Hanta-Fieber dem Gesundheitsamt zu melden. Das gilt auch für Labore, die einen Virennachweis führen, wenn Hinweise auf eine akute Infektion vorliegen. Für die Meldung sieht der Gesetzgeber eine Frist von 24 Stunden nach erlangter Kenntnis vor.

Autor: Charly Kahle

Stand: 01.11.2016

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