Heuschnupfen (Pollenallergie)

Heuschnupfen ist für immer mehr Menschen eine jährlich wiederkehrende Qual. Diese Form der Pollenallergie kommt meistens als saisonal allergischer Schnupfen daher. Häufig aber betrifft Heuschnupfen auch die Augen oder verursacht Kopfschmerzen und Migräne. Besonders komplikationsträchtig ist der sogenannte Etagenwechsel, wenn aus Heuschnupfen allergisches Asthma wird. Lesen Sie mehr über Symptome, Ursachen und Therapie von Heuschnupfen.

Synonyme

Pollenallergie, Pollinosis, allergische Rhinitis, saisonal allergischer Schnupfen, Blütenpollenallergie, Gräserpollenallergie

Definition

Frau mit Heuschnupfenallergie

Heuschnupfen ist eine Form der Pollenallergie. Es handelt sich um eine allergische Reaktion auf die Blütenpollen von Bäumen, Getreide oder Gräsern. In Deutschland wird Heuschnupfen vor allem durch Gräser- und Getreidepollen wie Lieschgras oder Roggen sowie Baumpollen von Hasel und Erle ausgelöst. Am häufigsten aber wird Heuschnupfen durch Birkenpollen verursacht. Diese Pollen sind für die Hälfte aller Heuschnupfen-Beschwerden verantwortlich.

Heuschnupfen zählt zu den Allergien des Soforttyps. Das bedeutet, die lästigen Symptome wie Schnupfen, Juckreiz und brennende Augen zeigen sich unmittelbar nach Kontakt mit den auslösenden Pollen, den Allergen. Besonders starker Heuschnupfen verursacht nicht selten asthmaähnliche Beschwerden oder allergisches Asthma.

Für 2018 rechnen die Experten der Europäischen Stiftung für Allergieforschung mit einem verstärkten Flug von Birkenpollen. Der Grund: Birken durchlaufen alle zwei Jahre ein sogenanntes Mastjahr, in dem sie besonders viele und aggressive Pollen bilden.

Häufigkeit

Heuschnupfen ist in Deutschland die mit Abstand häufigste allergische Erkrankung und die häufigste Form der Pollenallergie. Frauen (16 Prozent) sind nach Angaben des amtlichen Polleninformationsdienstes etwas häufiger betroffen als Männer (13 Prozent). In anderen Veröffentlichungen wird die Häufigkeit von Heuschnupfen auch mit bis zu 25 Prozent der Erwachsenen angegeben.

Auch regional gibt es Unterschiede: Beispielsweise ist Heuschnupfen im Westen und in Städten stärker verbreitet als im Osten oder auf dem Land.

Heuschnupfen-Häufigkeit bei Kindern und Jugendlichen

Die Häufigkeit von Heuschnupfen bei Kindern und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren hat in den vergangenen Jahren leicht zugenommen. Das Robert-Koch-Institut gibt die Quote in der jüngsten Fassung (veröffentlicht 2018) des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys mit 9,9 Prozent an. Für die sogenannte KIGGS-Studie wurden zwischen 2014 und 2017 mehr als 25.000 Kindern und Jugendlichen untersucht. 2014 hatte der Anteil der Kinder mit Heuschnupfen noch bei 9 Prozent gelegen. Insgesamt leiden Jungen etwas häufiger unter Heuschnupfen als Mädchen.

Symptome

Die meisten Menschen kennen die lästigen Heuschnupfen-Symptome: Die Nase läuft, juckt und brennt, die Augen sind geschwollen, tränen und jucken, man muss ständig niesen. Im Gegensatz zum Erkältungsschnupfen ist das Nasensekret wässrig und klar. Die Beschwerden treten auf, wenn die allergisierenden Pflanzen blühen oder die entsprechenden Pollen fliegen.

Das sind die typischen Symptome der Pollenallergie im Überblick:

  • juckende, tränende, gerötete Augen, Lichtempfindlichkeit
  • Heuschnupfen mit häufigem Niesen, laufender, verstopfter, kribbelnder Nase
  • Kribbeln im Hals, Husten
  • Hautjucken und Ekzeme
  • abgeschwächter Geschmacks- und Geruchssinn
  • Kopfschmerzen, Migräne
  • Magen-Darm-Störungen wie Durchfall, Verstopfung oder Blähungen
  • Müdigkeit, Schlafstörungen, Depressionen.

Komplikationen: Etagenwechsel und Asthma

Bleibt Heuschnupfen über lange Zeit unbehandelt, kann ein sogenannter Etagenwechsel auftreten. Dabei verlagert sich die allergische Reaktion von den oberen in die unteren Atemwege. Die Folgen sind allergische Bronchitis oder sogar allergisches Asthma.

Ursachen

Bei Heuschnupfen reagiert das Immunsystem überempfindlich auf an sich harmlose Pollen. Es produziert Antikörper, die zusammen mit bestimmten Botenstoffen (zum Beispiel Histaminen) eine allergische Reaktion auslösen.

Der erste Kontakt, die sogenannte Sensibilisierungsphase, verläuft noch ohne Symptome. Dabei wird die Polle erst als Allergen eingestuft. Bei weiteren Kontakten kennt das Abwehrsystem den vermeintlichen Feind und reagiert mit Abwehrreaktionen, die nicht selten heftig ausfallen.

Die meisten Menschen leiden im Frühjahr an Heuschnupfen. Seltener ist Heuschnupfen im Sommer oder Herbst. Fließschnupfen und tränende Augen im Winter sind in der Regel nicht durch Heuschnupfen verursacht. Dabei handelt es sich eher um eine Hausstauballergie.

Pollenflug beginnt tendenziell früher

In den vergangenen Jahren hat der Pollenflug nach Angaben des Polleninformationsdienstes tendenziell früher eingesetzt und an Intensität zugenommen. 2015 beispielsweise gab es schon im Januar gab es die ersten Haselnusspollen. 2016 verzeichnete der Deutsche Wetterdienst schon im Februar einen erheblichen Flug von Erlenpollen. Grundsätzlich gilt im Frühjahr: je wärmer die Witterung, umso stärker der Pollenflug.

Pollen, die häufig Heuschnupfen auslösen, sind hierzulande vor allem:

  • Baumpollen, zum Beispiel Haselnuss, Eiche, Ahorn und Ulme im Frühjahr.
  • Gräserpollen, vor allem bei der Heuernte im Sommer.
  • Kräuterpollen, wie Beifuß im Spätsommer und Herbst.

Stadtkinder erkranken häufiger

Seit Jahren diskutieren Mediziner die sogenannte Hygiene-Hypothese. Bekannt ist, dass Kinder vom Land deutlich seltener an Allergien wie Heuschnupfen erkranken als ihre Altersgenossen aus den Städten. Offenbar wird das kindliche Immunsystem von Landkindern besser trainiert als das Abwehrsystem im oftmals doch „sterilen“ Stadtmilieu. Zweifelsfrei bestätigt ist diese Theorie jedoch nicht.

Neuere Untersuchungen verweisen auf Tierstaub als Ursache dafür, warum Landkinder weniger allergiegefährdet sind. Eine wichtige Rolle dabei spielt offenbar das neu entdeckte Enzym A 20. Demnach ist für die Entstehung von Allergien oder Asthma entscheidend, ob das Enzym A 20 aktiviert wird oder nicht. Und bei dieser Aktivierung wiederum scheinen Bestandteile von Bakterien eine Rolle zu spielen, die im Staub aus Bauernhöfen mit Tierhaltung reichlich vorhanden sind. Dass A 20 eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Allergien spielt, stützen Forscher auch auf die Untersuchung von Asthma-Kranken. So habe man nachweisen können, dass das Enzym bei Asthmatikern in sehr viel geringerem Maße in der Schleimhaut vorkommt als bei Nicht-Allergikern.

Weitere Ursachen von Heuschnupfen

  • Risikofaktor Rauchen: Rauchende Eltern schaden ihren Kindern. Zigarettenrauch erhöht das Allergie-Risiko insgesamt und damit auch das Risiko, an Heuschnupfen zu erkranken, deutlich.
  • Erbliche Komponente: Allergien liegen in der Familie. Sind beide Eltern allergisch, hat das Kind ein Allergierisiko von 60 bis 80 Prozent.
  • Neurodermitis und Heuschnupfen: Viele Heuschnupfen-Kinder hatten als Säugling Milchschorf und erkrankten bereits sehr früh an Neurodermitis. Typische Symptome bei Neurodermitis sind eine schuppende, trockene und juckende Haut mit Ausschlag und Ekzemen. Nicht selten reagieren diese Kinder auch überempfindlich auf Luftallergene wie Pollen sowie auf Milcheiweiß (Kuhmilchallergie).
  • Empfindliche Nasenschleimhaut: Heuschnupfen-Allergiker haben häufig eine empfindlichere Nasenschleimhaut als Nichtallergiker. Schon Stäube, Duft- und Aromastoffe, Qualm und sogar Temperaturunterschiede machen Heuschnupfen-Nasen Probleme.
  • Kreuzallergien: Heuschnupfen beziehungsweise Pollenallergie geht häufig mit mehreren Allergien einher. Bei einer Kreuzallergie reagiert das körpereigene Abwehrsystem zum Beispiel auf Baumpollen und gleichzeitig auf ähnlich strukturierte Pflanzenstoffe allergisch. Typische Kreuzallergien sind beispielsweise Birkenpollen mit Nüssen, Mandeln, Karotten und Äpfeln; Beifußpollen mit Kamille, Sellerie, Kiwi, Koriander, Paprika und Erdnüssen oder Sellerie mit Birke, Beifuß, Karotte und Gewürze.

Untersuchung

Bei Verdacht auf Heuschnupfen sollten Sie frühzeitig einen Arzt aufsuchen. Eine rechtzeitige Therapie kann die Lunge vor bleibenden Schäden bewahren. Spezialisten für Pollenallergien sind der Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, der Lungenfacharzt (Pulmologe) und der Allergologe. Mit Kindern sollten Sie einen allergologisch spezialisierten Kinderarzt aufsuchen.

Die Diagnose ist anhand der typischen Symptome meistens offensichtlich. Zur Absicherung wird Ihr Arzt eventuell spezielle allergologische Blut-und Hauttests machen, gegebenenfalls auch Provokationstests. Beim sogenannten Prick-Test provoziert man allergische Reaktionen, indem abgeschwächte Allergene in die Haut geritzt werden. Bei Allergikern zeigen sich dann schnell die entsprechenden Symptome. Die allergische Reaktion kann auch über den Nachweis von sogenannten IgE-Antikörpern im Blut erfolgen.

Behandlung

Bei Heuschnupfen ist es kaum möglich, den Pollen immer und überall aus dem Weg zu gehen. Darum gilt es, den allergischen Reaktionen mit Medikamenten vorzubeugen beziehungsweise die Symptome von Heuschnupfen zu lindern. Des Weiteren gibt es die Möglichkeit der Hyposensibilisierung und der sogenannten sublingualen Immuntherapie.

Medikamente gegen Heuschnupfen

Zur medikamentösen Therapie bei Heuschnupfen sind sogenannte Antihistaminika die Mittel der Wahl. Sie verhindern die symptomauslösende Wirkung von Histamin und lindern die Beschwerden.

Antihistaminika können lokal als Nasenspray eingebracht (wie etwa Levocabastin) oder in Tablettenform (wie Levocetirizin oder Fexofenadin) eingenommen werden. Wirkstoffe wie Cetirizin und Loratadin erhalten Sie in der Apotheke auch ohne Rezept. Die Stiftung Warentest bezeichnet Ceterizin und Loratadin als Allzweckmittel gegen Pollenallergien.

Gegen Augenbeschwerden können Augentropfen mit den Wirkstoffen wie Antazolin oder Emedastin helfen.

Des Weiteren gibt es Sympathomimetika (Nasenspray/-tropfen zum Abschwellen der Nasenschleimhaut) gegen die Symptome der Pollenallergie. Wirkstoffe sind Naphazolin, Tetryzolin, Tramazolin, Xylometazolin, Oxymetazolin und Phenylephrin.

Glukokortikoide gegen ausgeprägte Beschwerden

Bei ausgeprägten Beschwerden können Glukokortikoide (Kortison) wie Flunisolid, Budesonid, Mometason und Fluticason eingesetzt werden. Mitunter ist auch die gleichzeitige Gabe eines Kortisons und eines Antihistaminikums sinnvoll.

Hyposensibilisierung

Die sogenannte Hyposensibilisierung zielt darauf ab, das Immunsystem so lange an das Allergen zu gewöhnen, bis die allergische Reaktion ausbleibt.

Spezifische Immuntherapie (SIT)

Die Spezifische Immuntherapie (SIT) ist eine Therapiemaßnahme, die an der Ursache des Heuschnupfens wirkt. Bei einigen Menschen führt diese Behandlungsform sogar zur Heilung der Allergie. Bei der spezifischen Immuntherapie wird den Patienten über mehrere Jahre hinweg das Allergen in aufsteigender Dosis unter die Haut gespritzt (SCIT) oder als Tropfen- oder Tablettenpräparat unter die Zunge gegeben (SLIT). So gewöhnt sich das Abwehrsystem schrittweise an das Allergen und bekämpft es am Ende der Behandlung nicht mehr als Fremdstoff. Die Behandlung erstreckt sich in der Regel über drei Jahre. Oftmals bessern sich die Symptome aber schon deutlich früher.

Gräserimpftablette

Die Gräserimpftablette ist eine besondere Form der SLIT. Sie eignet sich vor allem für Graspollen-Allergiker. Sie wird einmal täglich über drei Jahre unter die Zunge gelegt und löst sich dort sofort auf. Nach erfolgreicher Behandlung hat sich das Abwehrsystem an die Gräserpollen gewöhnt und sieht sie als harmlos an.

Homöopathie und Heuschnupfen

Einige Patienten berichten, dass alternative Behandlungsmethoden Heuschnupfen wirksam mindern können. Dabei werden vor allem der Bioresonanztherapie, der Akupunktur und der Homöopathie Erfolge zugeschrieben. Auch wenn diese Wirkung wissenschaftlich nicht belegt ist: Schaden kann ein Versuch mit diesen Methoden nicht.

Zur Vorbeugung und Behandlung von Heuschnupfen beziehungsweise Pollenallergie schwören einige Mediziner und etliche Patienten auf die homöopathischen Mittel Luffa operculata, Galphimia glauca oder Cardiospermum.

Prognose

Heuschnupfen verläuft – wie viele andere Allergien – individuell sehr unterschiedlich. Es kommt beispielsweise durchaus häufig vor, dass Pollen-, Hausstaub- oder Tierhaarallergien mit dem Alter nachlassen oder ganz verschwinden. Eine Prognose für solche Spontanheilungen ist nach gegenwärtigem Wissensstand nicht möglich.

Wirkung von Hyposensibilisierung

Spezifische Immuntherapien sind vor allem dann wirksam, wenn die Allergie durch Pollen (insbesondere Birke, Erle, Hasel), Insektengifte, Hausstaubmilben, Katzen oder Schimmel verursacht werden. Häufig lassen die Beschwerden nach Angaben der Stiftung Warentest schon im 1. Jahr der Behandlung nach.

Wirkung von Medikamenten

Die Heuschnupfen-Beschwerden lassen sich in den allermeisten Fällen durch eine medikamentöse Therapie zuverlässig lindern beziehungsweise unterdrücken.

Selbsthilfe

Meiden Sie nach Möglichkeit den Kontakt mit den Allergen. Hilfreich dabei sind regionale Pollenflugkalender, die Sie in Ihrer Apotheke, bei der Krankenkasse oder im Internet finden können.

  • Vermeiden Sie körperliche Betätigung im Freien, wenn die Allergie verursachenden Pollen fliegen.
  • Verlegen Sie Urlaubsreisen in die Berge bzw. ans Meer, vor allem zu Zeiten, wenn in Ihrer Heimatregion die belastenden Pollen unterwegs sind.
  • Stellen Sie Luftreinigungsgeräte in der Wohnung auf.
  • Benutzen Sie einen Staubsauger mit Feinstaubfilter.
  • Waschen Sie sich vor dem Schlafengehen die Haare, um sie von Pollen zu befreien.
  • Das Tragen einer Brille kann die Augen vor dem Pollenflug schützen.

Autor: Charly Kahle, Christiane von der Eltz (Apothekerin), Dr. Regina Schick (Ärztin)

Stand: 22.03.2018

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