Pica-Syndrom

Das Pica-Syndrom ist eine seltene Form der Essstörung. Charakteristischerweise nehmen die Betroffenen Dinge zu sich, die nicht für den Verzehr geeignet sind. Lesen Sie mehr über Symptome, Ursachen und Behandlung

Synonyme

Pikazismus, Allotriophagie

Definition

Essstörung

Das Pica-Syndrom zählt zu den sogenannten qualitativen Essstörungen. Die Bezeichnung  „qualitativ“ verweist darauf, dass es bei dieser Essstörung nicht um die Menge der zugeführten Lebensmittel geht. Der Name Pica-Syndrom leitet sich vom lateinischen Wort für Elster (Pica) ab. Die Elster gilt als Vogel, der wahllos Futter und Ungenießbares sammelt.

Entsprechend ist das Pica-Syndrom dadurch gekennzeichnet, dass die Betroffenen Dinge zu sich nehmen, die für den Verzehr nicht geeignet, mitunter auch ekelerzeugend sind. Dabei handelt es sich besonders oft um Erde (Sand), Stärke (auch Stärke zum Steifen von Wäsche) oder Eis (kein Speiseeis, sondern gefrorenes Wasser). Mitunter essen Betroffene auch Kot, Farbschnipsel von Wänden, Steine, Asche oder beliebige Pflanzenteile. Mediziner bezeichnen dieses Verhalten auch als Allotriophagie. Werden beispielsweise nur Haare gegessen, spricht man von Trichophagie.

Am häufigsten ist das Pica-Syndrom bei Kindern mit eingeschränkten geistigen Fähigkeiten sowie bei Schizophrenie, Demenz und Autismus. Es können aber auch ansonsten gesunde Menschen betroffen sein. Zu den Pica-Betroffenen zählen dann vor allem schwangere Frauen und Kleinkinder.

Der vor allem von Schwangeren berichtete Heißhunger auf mitunter sehr ungewöhnliche Nahrungsmittelkombinationen (Gurken mit süßer Sahne oder Salzhering mit Schokolade) wurde früher auch als Pikazismus bezeichnet.

Das Pica-Syndrom lässt sich – so weit Alter und Auffassungsgabe der Erkrankten es zulassen - am besten durch eine Verhaltenstherapie behandeln.

Häufigkeit

Genaue Zahlen zur Häufigkeit des Pica-Syndroms werden bislang nicht erhoben. Diese Form der Essstörung gilt aber als selten.

Symptome

Charakteristisches Symptom des Pica-Syndroms ist der Verzehr von Substanzen, die für den Körper nicht nützlich oder sogar gefährlich sind. Betroffen sind vor allem Menschen mit geistigen Einschränkungen oder psychischen Erkrankungen. Bei gesunden Kleinkindern ab dem 2. Lebensjahr und Schwangeren wird zuweilen ebenfalls das Pica-Syndrom mit folgenden ungewöhnlichen Verzehrgewohnheiten beobachtet:

  • Eis (Pagophagie)
  • Fäkalien (Koprophagie)
  • Farbe
  • Holz/Papier (Xylophagie)
  • Kreide
  • Lehm und Erde (Geophagie)
  • Seife
  • Stärke (Amylophagie)

Mitunter wird auch der Verzehr von Haaren zu den Symptomen des Pica-Syndroms gezählt. In der Regel zeigt sich das nahezu zwanghafte Verlangen Haare auszureißen und zu essen bei einer gestörten Impulskontrolle, der sogenannten Trichotillomanie. Diese zählt jedoch nicht zu den Essstörungen. Trichotillomanie tritt häufig zusammen mit Depressionen und Angststörungen auf.

Komplikationen des Pica-Syndroms

Je nach Art der zugeführten Substanzen kommt es zu mehr oder minder schweren Folgen des Pica-Syndroms. Am häufigsten sind Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall (Diarrhoe), Verstopfung (Obstipation), Übelkeit und Erbrechen. Weitere Folgen reichen von Fehl- oder Unterernährung über Vergiftungen bis hin zu mechanischen Komplikationen (etwa Darmverschlüsse durch verschluckte Steine, Lehm oder Erde).

Ursachen

Als Ursachen für das Pica-Syndrom Verhalten gelten vor allem traumatische Erlebnisse wie Gewalterfahrungen, Missbrauch oder Vernachlässigung in der Kindheit. Auch schwere psychische Störungen oder Demenz können das Pica-Syndrom herrvorrufen. Zudem gibt es – wissenschaftlich nicht bestätigte - Berichte über einen Zusammenhang mit Mineralstoffmangelerkrankungen (vor allem Eisenmangel).

Frauen sind deutlich öfter als Männer vom Pica-Syndrom betroffen. Zudem gibt es offenbar einen Zusammenhang von Einkommen und Häufigkeit der Erkrankung. Menschen aus armen Bevölkerungsschichten neigen deutlich häufiger zum Pica-Syndrom.

Behandlung

Die Behandlungsmethode der Wahl für Erwachsene mit Pica-Syndrom ist eine Verhaltenstherapie. Diese ist allerdings nur dann sinnvoll, wenn die Betroffenen dazu in der Lage sind. Das trifft auf Menschen mit Demenz, ausgeprägten psychischen Erkrankungen (vor allem Schizophrenie) sowie bei deutlich herabgesetzter Intelligenz beispielsweise nicht zu. In diesen Fällen ist eine heilpädagogische Behandlung meist die bessere Wahl. Bei Babys und Kleinkindern mit Pica-Syndrom konzentriert sich die Behandlung vor allem auf die Schulung von Eltern und Betreuungspersonen.

Zuweilen verursacht das Pica-Syndrom Mangelerkrankungen wie Eisenmangel oder Zinkmangel. Diese lassen sich in aller Regel durch Nahrungsergänzungsmittel oder Medikamente ausgleichen. Eine Substitution sollte aber grundsätzlich mit einem Arzt besprochen werden und nicht in Eigenregie erfolgen.

Autor: Charly Kahle

Stand: 05.03.2018

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