Rheumatoide Arthritis

Als Rheumatoide Arthritis bzw. chronische Polyarthritis bezeichnen Mediziner chronische Entzündungen. Neben den kleinen Gelenken der Finger und Zehen können auch größere Gelenke wie sogar Organe betroffen sein. Lesen Sie mehr zu Symptomen, Ursachen, Diagnose und Therapie von Rheumatoide Arthritis.

Synonyme

chronische Polyarthritis

Definition

Rheumatoide Arthritis

Rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis) gehört zu den Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, die in der Umgangssprache kurz unter dem Begriff Rheuma zusammengefasst werden. Tatsächlich gibt es aber sehr verschiedene rheumatische Krankheitsbilder. Die Rheumatoide Arthritis ist eine chronisch-entzündliche Systemerkrankung. Systemerkrankung deshalb, weil nicht nur die Gelenke alleine, sondern auch andere Organsysteme betroffen sind. Hauptsächlich aber macht sich diese Rheumaform an kleinen Gelenken, vor allem an Finger- und Zehengelenken, bemerkbar. Bei dieser Form der Arthritis werden die Gelenkknorpel infolge körpereigener Fehlreaktionen angegriffen. Oft verläuft die Erkrankung schubweise.

Häufigkeit

Rheumatoide Arthritis gehört zu den häufigsten entzündlichen Gelenkerkrankungen. In Deutschland leben etwa 800.000 Betroffene, davon rund dreimal mehr Frauen als Männer. Rheumatoide Arthritis kann in jedem Alter auftreten. Bei Kindern wird die Rheumatoide Arthritis als Juvenile idiopathische Arthritis bezeichnet. Mit zunehmendem Alter steigt die Krankheitshäufigkeit an.

Symptome

Rheumatoide Arthritis beginnt oft schleichend, seltener plötzlich. Die Betroffenen klagen insbesondere über erhebliche Schmerzen in den kleinen Finger- und Zehengelenken (vor allem in Fingergrund- und Mittelgelenken sowie an Handwurzelknochen). Mitunter sind auch große Gelenke an Schulter, Hand, Knie, Fuß oder Hüfte betroffen.

Morgensteifigkeit und Rheumaknoten

Die entzündeten Gelenke schwellen an, sind rot und überwärmt. Sie erscheinen klamm bis steif. Die Bewegungsfähigkeit ist eingeschränkt. Am Morgen werden diese Symptome meist am stärksten empfunden (sogenannte Morgensteifigkeit). Oft, aber nicht zwingend, sind beide Körperseiten betroffen. Im Verlauf der Erkrankung werden immer mehr Gelenke befallen. Nicht selten bilden sich kleine Knubbel an den Gelenken, sogenannte Rheumaknoten.

Im Gegensatz zur Gicht-Arthritis sind bei der Rheumatoiden Arthritis die Finger- und Zehenendgelenke fast nie entzündet.

Rheumatoide Arthritis nicht nur auf Gelenke beschränkt

Rheumatoide Arthritis betrifft nicht ausschließlich Gelenke. Auch gelenkferne Gewebe und Organe können beteiligt sein, zum Beispiel das Gefäß- und Nervensystem, Tränen- und Speicheldrüsen sowie Herz und Brustfell (Pleura). Im Verlauf der Erkrankung sind Organschäden wie Herzklappenveränderungen, Herzbeutelentzündungen sowie Lungenhochdruck möglich. Auch Leber-, Augen- und Nierenbeteiligungen sind durchaus üblich bei Rheumatoider Arthritis.

Schubweiser Verlauf

Die Rheumatoide Arthritis verläuft in vielen Fällen schubweise. Ein Schub kann zwischen einigen Wochen und mehreren Monaten andauern. Zwischen den Schüben sind die Betroffenen oft beschwerdefrei, in jedem Fall aber bessern sich die Beschwerden.

Ursachen

Die Ursachen der Rheumatoiden Arthritis sind bis heute weitestgehend unbekannt. Jedoch gehen Mediziner sehr stark von einer autoimmunen Komponente aus. Es wird also vermutet, dass körpereigene, fehlgesteuerte Abwehrzellen den Gelenkknorpel angreifen und die Gelenkentzündung auslösen. Ein genetischer Einfluss beziehungsweise ein familiär gehäuftes Auftreten wurde ebenfalls nachgewiesen.

Zudem werden Viren und Bakterien als Auslöser der Rheumatoiden Arthritis diskutiert. In jüngster Zeit vermuten immer mehr Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen Parodontitis (entzündliche Zerstörung des Zahnhalteapparates) und der Entstehung der Rheumatoiden Arthritis.

Untersuchung

Die Diagnose von Rheumatoider Arthritis wird üblicherweise anhand von 7 Kriterien des American College of Rheumatology gestellt. Wenn 4 der folgenden 8 Punkte zutreffen, gilt eine Rheumatoide Arthritis als wahrscheinlich.

  1. Morgensteifigkeit über 60 Minuten (über einen Zeitraum von mindestens 4 bis 6 Wochen)
  2. geschwollene Gelenke oder Gelenkergüsse an mindestens 3 Gelenken (über einen Zeitraum von mindestens 4 bis 6 Wochen)
  3. Arthritis der Hand- oder Fußgelenke (über einen Zeitraum von mindestens 4 bis 6 Wochen)
  4. symmetrischer Befall der rechten und linken Körperhälfte (über einen Zeitraum von mindestens 4 bis 6 Wochen)
  5. Rheumaknoten
  6. positiver Rheumafaktor im Blut
  7. Osteoporose in unmittelbarer Nähe der betroffenen Gelenke oder Veränderungen (Erosionen) im Röntgenbild
  8. wenig aussagekräftige Laborbefunde, insbesondere im Frühstadium.

Behandlung

Die ärztliche Therapie von Rheumatoider Arthritis basiert auf mehreren Ansätzen. Zu diesen multimodalen Behandlungskonzepten gehören:

  • Medikamente
  • physikalische Therapien (wie Hydro- und Thermotherapien, zum Beispiel Kälte- und Wärmeanwendungen und Elektrotherapie mit Gleich- und Wechselstrom)
  • Physiotherapie (Krankengymnastik, manuelle Therapie, Sporttherapie)
  • Ergotherapie (Trainieren der Gelenke und Fingerfertigkeiten)
  • unter Umständen auch Operationen (wie Gelenkversteifungen, Gelenkprothesen oder Gelenkentfernungen).

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Behandlung von Rheumatoider Arthritis ist gut erforscht und in der Regel gut wirksam. Dazu gehören:

  • Basistherapeutika: Goldstandard ist Methotrexat, kurz MTX, um eine krankhafte Überaktivität des Immunsystems zu unterdrücken. Weitere Basismittel bei der Behandlung von Rheumatoider Arthritis sind Leflunomid, Sulfasalazin, Chloroquin und Hydroxychloroquin sowie Cyclosporin A, Azathioprin und Goldverbindungen.
  • Biologika wie die TNF-alpha-Hemmer Adalimumab, Certolizumab, Etanercept, Golimumab und Infliximab, der IL-1-Rezeptor-Antagonist Anakinra sowie das B-Zell-Therapeutikum Rituximab, um direkt in das Entzündungsgeschehen einzugreifen.
  • Kortikosteroide wie Cortisol und Hydrocortison zur Entzündungshemmung und Unterdrückung des körpereigenen Abwehrsystems
  • Nicht-steroidale Antirheumatika wie Diclofenac, Felbinac, Ibuprofen, Indometacin und Ketoprofen, um Schmerzen zu lindern und Entzündungsverlauf zu verkürzen
  • Opioide Schmerzmittel wie Buprenorphin, Hydromorphon, Tilidin oder Tramadol zur Schmerzlinderung.

Trotz der guten Wirkung sollten Rheuma-Medikamente immer nur in dem absolut notwendigen Maß eingesetzt werden, denn die Nebenwirkungen können erheblich sein. Die im Folgenden genannten Faktoren tragen in einem multimodalen Behandlungskonzept in der Regel dazu bei, dass die Dosierung von Medikamenten verringert werden kann und dass die schubfreien Intervalle sich verlängern.

Selbsthilfe

Zur Selbsthilfe bei Rheumatoider Arthritis ist es empfehlenswert, wenn Patienten sich einer Rheuma-Selbsthilfegruppe anschließen. Diese Hilfsgemeinschaften rheumakranker Menschen gibt es deutschlandweit und für alle Altersklassen. In Selbsthilfegruppen können Betroffene und Angehörige Erfahrungen austauschen. Zudem erhalten Sie dort Informationen zu Fortbildungsveranstaltungen. Oft können Selbsthilfegruppen auch Kontakte zu Rheuma-Spezialisten, Krankenhäusern und Reha-Kliniken vermitteln. Ebenfalls hilfreich sind diese Treffen, wenn es um Fragen und Probleme mit Krankenkassen, Sozial- und Versorgungsämtern oder Rentenversicherungsträgern geht.

Finger und Zehen trainieren: Physiotherapie und Beweglichkeitsübungen daheim bilden eine wichtige Stütze in der Selbsthilfe gegen Rheuma. Einfache Greifübungen mit den Händen und Zehen tragen dazu bei, die Beweglichkeit der Gelenke zu fördern beziehungsweise zu erhalten. Geeignete Übungsmittel sind beispielsweise Knetbälle, mit denen Sie die Hände trainieren. Achten Sie bei Ihren Übungen darauf, dass Sie sich nicht überfordern. Im fortgeschrittenen Stadium von Rheumatoider Arthritis sind manche Bewegungen kaum oder gar nicht mehr möglich. Fragen Sie auch Ihren Physiotherapeuten nach Übungen, die sich für den Hausgebrauch eignen.

Ernährung anpassen: Eine nährstoffreiche, vollwertige Ernährung kann den Erkrankungsverlauf von Rheumatoider Arthritis positiv beeinflussen. Wenn Sie den Anteil an tierischen Lebensmitteln wie Wurst und Fleisch verringern, nehmen Sie weniger entzündungsfördernde Arachidonsäure auf. Das wirkt sich oft positiv auf den Heilungsprozess aus. Eine ähnlich positive Wirkung wird den Omega-3-Fettsäuren nachgesagt. Zum Teil widersprechen sich aber die Aussagen der Experten über den Nutzen der Omega-3-Fettsäuren.

Thermalquellen: Einige Patienten schwören auf schwefel- und radonhaltige Thermalquellen, um die Beweglichkeit der Gelenke zu verbessern. Andere wiederum bevorzugen Wickel und Umschläge aus Kohlblättern oder Quark.

Pflanzliche Wirkstoffe: Oft werden pflanzliche Wirkstoffe zur unterstützenden Behandlung von rheumatoider Arthritis eingesetzt. Dazu gehören vor allem Extrakte aus Brennnessel (entzündungshemmend und schmerzlindernd), Birke (zur verbesserten Gelenkbeweglichkeit – Nutzen jedoch nicht erwiesen), Teufelskralle (entzündungshemmend und schmerzlindernd), Weidenrinde (schmerzlindernd) und Weihrauch (entzündungslindernd). Schmerz- und entzündungshemmend wirken weiterhin Arnika, Beinwell, Bittersüß, Guajakholz sowie Pappel- und Eschenrinde.

Homöopathie: Naturheilkundige und Alternativmediziner empfehlen bei Rheumatoider Arthritis unter anderem Aurum Metallicum, Causticum, Cimcifuga, Ferrum Phosphoricum oder Rhus Toxicodendron.

Autor: Charly Kahle

Stand: 01.09.2015

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