Rotavirus (PRG)

Rotaviren sind die häufigste Ursache für Durchfälle bei Kindern. Mediziner sprechen von viraler Gastroenteritis oder Pädiatrischer Rotavirus-Gastroenteritis (PRG). Bis zu 600.000 Kinder sterben weltweit jährlich an den Folgen der viralen Durchfallerkrankung. Auch in Deutschland kommt es immer wieder zu Todesopfern. Lesen Sie hier alles Wichtige zu Symptomen, Ursachen, Therapie und Selbsthilfe bei Durchfall durch Rotaviren-Infektionen.

Synonyme

virale Gastroenteritis, pädiatrische Rotavirus-Gastroenteritis (PRG), Rota-Virus

Definition

Rotavirus

Rotavirus ist zunächst einmal eine Bezeichnung für einen Virus. Der Begriff wird landläufig aber auch als Synonym für eine Durchfallerkrankung durch eine Infektion mit Rotaviren verwendet. Mediziner bezeichnen die Rotaviren-Infektion als virale Gastroenteritis oder pädiatrische Rotavirus-Gastroenteritis (PRG).

Häufigkeit

Rotaviren verursachen nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO weltweit mehr als 138 Millionen Infektionen pro Jahr. Am häufigsten betroffen sind Kinder unter 2 Jahren. Mehr als 2.000.000 Kinder müssen im Krankenhaus behandelt werden, bis zu 600.000 Rotavirus-Infektionen verlaufen tödlich. Besonders stark verbreitet ist die Infektion in Schwellen- und Entwicklungsländern von Afrika, Asien und Lateinamerika.

Rotaviren in Deutschland

In Deutschland registriert das Robert-Koch-Institut (RKI) pro Jahr durchschnittlich 50.000 Rotavirus-Infektionen. Allerdings schwankt die Zahl von Jahr zu Jahr stark: Zwischen 2001 (Einführung der Meldepflicht) und 2012 gab es Spitzen von bis zu gut 78.000 Fällen jährlich. 2017 erfasste das RKI bis Mitte September gut 35.000 Fälle, im September 2018 liegt die Erkrankungszahl für das Jahr bis dahin bei 20.500.

Darüber hinaus sind sich die Experten darüber einig, dass längst nicht alle Fälle von Rotavirus-Infektionen tatsächlich an das RKI gemeldet werden. Der Grund: In sehr vielen Fällen verläuft die Durchfallerkrankung mild. Dann verzichten Kinder- oder Hausärzte auf den labortechnischen Nachweis von Erregern. Diese Neigung ist in den westlichen Bundesländern übrigens sehr viel deutlicher ausgeprägt als in den östlichen Bundesländern. Das erklärt, warum laut offizieller Statistik im Osten deutlich mehr Rotavirus-Infektionen nachgewiesen werden. Dort ist die Erkrankung nicht häufiger, es werden lediglich häufiger Tests gemacht.

Symptome

Erkrankungen durch Infektionen mit dem Rotavirus setzen meist plötzlich ein, verlaufen aber unterschiedlich. Ein milder Verlauf ist durch Durchfall und Übelkeit gekennzeichnet. Der Durchfall hält 2 bis 6 Tage an und vergeht dann wie von selbst.

Schwere Verläufe gehen mit sehr heftigem Durchfall einher, der nicht selten von Fieber, Magen-Darm-Krämpfen und grippeähnlichem Krankheitsgefühl begleitet wird. Der Durchfall ist meist wässrig, mitunter finden sich Schleimbeimengungen. Auch bei einem schweren Verlauf geht der Durchfall binnen einer Woche vorüber. Erbrechen infolge einer Rotavirus-Infektion ist zwar möglich, aber eher selten.

Ursachen

Rotaviren gehören zu den hoch ansteckenden Viren. Genau genommen handelt es sich bei Rotaviren um kleinste, nichtumhüllte Viruspartikel. Bereits eine geringe Menge dieser kleinen Teilchen reicht aus, um einen Menschen anzustecken.

Übertragen wird das Virus durch eine fäkal-orale Schmierinfektion von Mensch zu Mensch. Hauptverbreitungsweg ist das Wickeln. Dabei gelangen kleinste – selbst nicht sichtbare – Kotspuren von den Händen auf direktem oder indirektem Weg in die Mundschleimhaut. Eine der besten Vorbeugungsmaßnahmen gegen Rotavirus-Infektionen ist daher das Händewaschen nach dem Wickeln und jedwedem Kontakt mit Windeln oder Wickeltisch. Aber auch Türklinken, Toilettendeckel oder Geländer an Treppen können mit Rotaviren verunreinigt sein und die Durchfallerkrankung übertragen. In eingetrocknetem Kot können sie bis zu mehrere Tage überleben und ansteckend sein.

Auch mit Rotaviren belastetes Wasser und Lebensmittel können Ursache für die Rotavirus-Infektion sein. Im Wasser überleben die Viren sogar mehrere Wochen. Vermutlich können Rotaviren selbst über das Sekret der Atemwege ausgeschieden werden, etwa beim Niesen und Husten. Die Übertragung per Tröpfcheninfektion ist aber noch nicht abschließend geklärt.

Es ist möglich, immer wieder an PRG zu erkranken, denn es gibt mehrere Rotavirus-Gruppen. Daher kann das Immunsystem keinen sicheren Schutz aufbauen. Rotaviren können während der gesamten Erkrankungszeit übertragen werden, in der Regel aber nicht länger als 8 Tage.

Untersuchung

Eltern wissen: Durchfallerkrankungen von Kindern sind keine Seltenheit. Und bei leichtem Verlauf macht es letztlich keinen großen Unterschied, ob man die Ursache kennt oder nicht. So denken zuweilen auch Haus- und Kinderärzte. Solange Durchfall die Gesundheit der kleinen Patienten nicht gefährdet und innerhalb von wenigen Tagen vergeht, verzichten sie schon mal auf die labortechnische Untersuchung einer Stuhlprobe. Im Fall von pädiatrischer Rotavirus-Gastroenteritis (PRG) lässt sich das Rotavirus mit einem Enzym-Immun-Test nachweisen. Diesen Test ordnen Ärzte in den östlichen Bundesländern deutlich häufiger an als ihre Kollegen im Westen. Daher weisen die offiziellen Statistiken des Robert-Koch-Institutes (RKI) im Osten deutlich mehr Nachweise von Rotaviren aus als im Westen. Die tatsächlichen Infektionsquoten hingegen unterscheiden sich vermutlich kaum.

Behandlung

In den meisten Fällen vergeht der Durchfall durch eine Rotavirus-Infektion innerhalb von einer Woche von selbst. Ob Kinder oder Erwachsene: In dieser Zeit kommt es vor allem darauf an, den Verlust an Flüssigkeit und Mineralstoffen (Elektrolyten) zu ersetzen. Wasser, Tee und Fruchtsaftschorlen ersetzen vor allem die Flüssigkeit. Die gute alte Hühnerbrühe liefert neben Energie auch wertvolle Mineralsalze. In jedem Fall sollten sich Kleinkinder und ältere Menschen mit starkem Durchfall, der länger als 2 Tage anhält, ärztlich untersuchen lassen.

Durchfallstopper werden in der Therapie von pädiatrischer Rotavirus-Gastroenteritis nur selten angewendet. In der Regel ist es besser, die Rotaviren mit dem Durchfall auszuscheiden. Virenhemmende Mittel gegen Rotaviren gibt es nicht. Antibiotika sind nicht geeignet, weil Rotaviren keine Bakterien sind.

Krankheitsverlauf

In 50 Prozent der Fälle von Rotavirus-Infektionen bei Kindern unter 2 Jahren ordnen Ärzte die stationäre Aufnahme im Krankenhaus an. Der Grund ist einfach: Die kranken Kinder sind sehr oft nicht in der Lage, den Flüssigkeitsverlust durch Trinken auszugleichen. Um die Folgen einer Austrocknung zu vermeiden, erhalten die Kinder im Krankenhaus Elektrolyte per Infusion und werden darüber hinaus engmaschig überwacht.

Auch Menschen jenseits des 70. Lebensjahres mit der Diagnose Rotavirus-Infektion werden überdurchschnittlich häufig stationär behandelt. Auch bei ihnen geht es vor allem um den Flüssigkeitsverlust. Der Flüssigkeitsverlust kann bei Nieren- oder Herz-Kreislauferkrankungen beispielsweise sehr schnell schwer zu beherrschende Komplikationen verursachen. Zwei Drittel der Todesfälle durch Rotavirus-Infektionen in Deutschland betreffen Menschen über 70.

Selbsthilfe

Im Falle einer Erkrankung sollten Sie und Angehörige wegen der hohen Ansteckungsgefahr zu Hause bleiben. Kinder schicken Sie bitte nicht in Kindergarten, Tagesstätte oder Schule.

Um wiederkehrende Infektionen zu vermeiden, ist strenge Hygiene notwendig. Am besten mit einem Desinfektionsmittel, z. B. nach dem Windelwechsel oder dem Toilettengang, sofort die Hände waschen und auch Wickelunterlagen, Waschbecken oder Toilette reinigen.

Weiterhin hilfreich bei Infektion durch Rotaviren:

  • viel trinken, auch weiter stillen oder die Flasche geben
  • leicht verdauliche, aber stopfende Nahrung wie Bananen, Reis, Zwieback bevorzugen, verdauungsbelastende oder durchfallauslösende Lebensmittel sind nicht geeignet
  • zum Arzt oder in ein Krankenhaus gehen, wenn der Durchfall länger als 24 Stunden anhält, denn es kann zu einer lebensgefährlichen Dehydration (Austrocknung) kommen.

Vorbeugung

Den besten Schutz vor einer Rotavirus-Infektion bietet die Schluckimpfung gegen Rotaviren.

Impfung gegen Rotaviren: offizielle Impfempfehlung

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Schluckimpfung gegen Rotaviren für alle Neugeborenen. Nach gegenwärtigem Stand (November 2016) soll die Impfserie 6 bis 12 Wochen nach der Geburt beginnen.

Rotavirus-Impfstoffe

In Deutschland sind gegenwärtig (Stand November 2016) zwei Lebendimpfstoffe zur Impfung gegen Rotaviren zugelassen. Beide Impfstoffe (Handelsnamen Rotarix und RotaTeq) werden als Schluckimpfung verabreicht. Nach RKI-Angaben ist die Schutzwirkung beider Impfstoffe hoch. Demnach verringern sie das Risiko, an einer schweren Rotavirus-Gastroenteritis zu erkranken um mehr als 90 Prozent. Die Schutzdauer beträgt nach gegenwärtigem Wissensstand 2 bis 3 Jahre.

Rotavirus-Impfstoff RV3-BB in der Erprobung

Gegenwärtig (Stand Oktober 2018) wird ein neuer Rotavirus-Impfstoff mit der Bezeichnung RV3-BB erprobt. Erste Studien in Indonesien sind nach Angaben der beteiligten Forscher ermutigend. Demnach senkt der neue Impfstoff die Ansteckungsrate von 5,6 Prozent auf 1,4 Prozent. Als größter Vorteil von RV3-BB gilt, dass der Impfstoff unmittelbar nach der Geburt verabreicht werden kann. Die bislang in Deutschland zugelassenen Impfstoffe gegen Rotaviren können erst ab der 7. Woche eingesetzt werden. In der Zwischenzeit sind die Neugeborenen demnach ungeschützt.

Impfschema

Säuglinge erhalten die erste Dosis der Rotaviren-Schutzimpfung idealerweise im Alter zwischen 6 und 12 Wochen. Je nach Impfstoff werden 2 oder 3 Dosen im Abstand von je 4 Wochen verabreicht. Die zweistufige Immunisierung soll nach Vorgaben der STIKO spätestens bis zur 24. Lebenswoche abgeschlossen sein, die dreistufige Immunisierung bis zur 32. Lebenswoche.

Nebenwirkungen

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Impfstoffen gegen Rotaviren gehören Durchfall (Diarrhöe), Erbrechen, Appetitverlust, Fieber, Reizbarkeit, Husten und Schnupfen.

Es gibt Hinweise darauf, dass Rotavirus-Impfstoffe das Risiko für Darmeinstülpungen (Invaginationen) in den ersten 7 Tagen nach der Impfung erhöhen könnten. Hinweise auf eine Darmeinstülpung sind akute, teils wellenförmige und kolikartige Bauchschmerzen. Typischerweise fangen die Säuglinge plötzlich spitz und schrill zu schreien an, sind blass und kaltschweißig. Oft krümmen sie sich vor Schmerzen und sind aus dieser Haltung kaum heraus zu bewegen. Im weiteren Verlauf erbrechen die Kinder Mageninhalt, später gelb-grüne Gallenflüssigkeit.

Reise/ Impfvorschriften

Rotaviren sind weltweit verbreitet. Regionale Schwerpunkte finden sich vor allem in den gering entwickelten Staaten von Afrika, Asien und Lateinamerika. Da die ambulante Versorgung einer Durchfallerkrankung im Urlaub durchaus mit Komplikationen einhergehen kann, sollten Urlauber eine Rotavirus-Schutzimpfung beziehungsweise eine Auffrischung zumindest erwägen.

Impfvorschriften für Reisende im Zusammenhang mit Rotaviren sind gegenwärtig nicht bekannt.

Autor: Charly Kahle

Stand: 18.10.2018

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