Schweinegrippe

Winter 2009/2010: Deutschland fürchtet sich vor der Schweinegrippe. Lesen Sie alles Wichtige über Symptome, Ursachen und Behandlung.

Synonyme

Influenza A/H1N1, neue Grippe, porzine Influenza, Schweineinfluenza

Definition

Frau wird geimpft

Die Schweinegrippe wird auch als neue Grippe, porzine Grippe, Schweineinfluenza oder Influenza A/H1N1 bezeichnet. Neu ist diese Grippeerkrankung, weil sie erstmals im Winter 2009 bei Menschen ausbrach. Porzin bedeutet, dass die Infektion ursprünglich Schweine betraf und der Erreger von dort auf den Menschen übersprang. Den Zusatz A/H1N1 trägt diese Influenza, weil das Schweinegrippevirus als Subtyp der Klasse A/H1N1 klassifiziert wird.

Die Symptome der Schweinegrippe ähneln denen einer normalen Grippe. Im Unterschied zur normalen Grippe kommt es vergleichsweise häufig zu Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Schweinegrippe betrifft beide Geschlechter und alle Altersgruppen. Auffällig ist allerdings, dass Influenza A/H1N1 besonders häufig bei jungen Erwachsenen ausbricht.

Gefährlichkeit der Schweinegrippe überschätzt

In der Regel verläuft Schweinegrippe mild. Mitunter bemerken Betroffene die Infektion noch nicht einmal. Gleichzeitig kann die Infektion mit dem A/H1N1-Grippevirus lebensgefährlich werden. Allerdings ist das Risiko deutlich kleiner, als während der Schweinegrippepandemie angenommen. Die Sterblichkeit liegt jüngsten Studien zufolge bei 0,02 Prozent. Angesichts der hohen Fallzahlen bei der Pandemie schätzen Experten die Zahl der Todesopfer weltweit auf mehr 200.000 bis 280.000. Möglicherweise liegt sie aber höher. Am gefährlichsten ist die Schweinegrippe für Kinder.

Vorschnelle Vergleiche mit der Spanischen Grippe

Weltweit waren Gesundheitsbehörden während der Pandemie davon ausgegangen, dass die Schweinegrippe ähnlich gefährlich sein könnte wie die Spanische Grippe (1918/1919). Denn auch diese Grippe war durch einen Grippevirus vom Subtyp H1N1 verursacht worden. Durch die spanische Grippe kamen schätzungsweise 50 Millionen Menschen ums Leben.

Schweinegrippenimpfung wurde nicht angenommen

Deshalb wurden weltweit Hunderte Millionen Dosen Impfstoffe gekauft. In Deutschland sollten zunächst 50 Millionen Menschen gegen die Schweinegrippe geimpft werden. Der Bund beschaffte 34 Millionen Dosen des Impfstoffes Pandemrix. Tatsächlich geimpft wurde aber nur 5 Millionen Deutsche. Dafür gibt es vor allem 2 Gründe. Einerseits stellte sich bald heraus, dass die Schweinegrippe vergleichsweise harmlos war. Andererseits gab es Berichte über Nebenwirkungen der Schutzimpfung (siehe auch Vorsorge).

Häufigkeit

Die Schweinegrippe ist bei Menschen bislang nur einmal in größerem Umfang ausgebrochen. Von den USA und Mexiko aus verbreitete sich das Schweinegrippevirus in mindestens 209 Länder. Mittlerweile gehen Experten davon aus, dass ein Viertel der Weltbevölkerung mit dem Virus A/H1N1 oder nah verwandten Varianten infiziert war.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) registrierte bis zum Ende der Pandemie im August 2010 insgesamt 226.000 bestätigte Fälle der Neuen Grippe. 258 von ihnen überlebten die Schweinegrippe nicht.

Auch nach dem Ende der Pandemie ist das Schweinegrippenvirus nicht ausgerottet. Vielmehr hat es sich stark verbreitet. Inzwischen gehört etwa ein Drittel der saisonalen Grippeviren zum Subtyp H1N1.

Symptome

Die ersten Symptome der Schweinegrippe zeigen sich 1 bis 4 Tage nach der Infektion. Auch vom Zeitpunkt der Infektion bis zum Auftreten der Symptome (Inkubationszeit) ist die Schweinegrippe hochgradig ansteckend.

Die Schweinegrippe verläuft ähnlich wie eine normale Grippe oder eine starke Erkältung. Am Beginn steigt das Fieber schnell auf mehr als 40 Grad. Dazu kommt ein starkes Krankheitsgefühl mit oftmals ausgeprägter Müdigkeit. Typisch sind Symptome wie Frieren (mitunter auch Schüttelfrost), Gliederschmerzen, Halsschmerzen, Reizhusten, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Schnupfen mit starker Schleimsekretion.

Anders als bei einer normalen Grippe kommt es darüber hinaus oft zu Magen-Darm-Symptomen mit Durchfall, Erbrechen und Übelkeit.

Üblicherweise verschwinden die zum Teil stark ausgeprägten Symptome der Schweinegrippe rasch wieder. Ohne Komplikationen ist die Erkrankung in 5 bis 7 Tagen überstanden.

Komplikationen im Verlauf von Schweinegrippe

Sehr selten (0,02 Prozent der Fälle) verläuft Schweinegrippe tödlich. Verantwortlich dafür sind Komplikationen im Erkrankungsverlauf. Diese schweren Verläufe ereignen sich vor allem bei Menschen mit geschwächter Immunabwehr, Lungenerkrankungen und bei Kindern.

Häufigste Komplikationen der Schweinegrippe sind Lungenentzündungen. Diese Pneumonien entstehen entweder durch das Schweinegrippenvirus selbst oder durch eine Infektion mit Bakterien. Mediziner sprechen im letzteren Fall von einer Superinfektion.

Seltene und schwere Komplikationen der Schweinegrippe sind Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) sowie Gehirn- und Hirnhautentzündungen (Enzephalitis, Meningitis), die auch bei schlecht auskurierter saisonaler Grippe mitunter auftreten.

Komplikationen bei Kindern

Superinfektionen sind auch die wichtigste Ursache für Komplikationen bei Kindern. Besonders häufig sind Mittelohrentzündungen (Otitis media). Weitere mögliche Komplikationen, die vor allem Schweinegrippe-infizierte Kinder betreffen, sind bakterielle Superinfektionen, Blutvergiftung (Sepsis), Nierenversagen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Ursachen

Ursache der Schweinegrippe ist eine Infektion mit dem Schweinegrippenvirus. Dabei handelt es sich um ein Influenzavirus vom Subtyp A/H1N1. Die Medizin kennt diesen Erreger bereits seit 1930, als er bei Schweinen in den USA nachgewiesen wurde. Damals gab es vereinzelt Schweinegrippenfälle bei Menschen, die beruflich engen Kontakt zu Schweinen hatten. Zu diesem Zeitpunkt war das Schweinegrippenvirus noch nicht in der Lage, sich auf den Mensch zu verbreiten.

Diese Fähigkeit hat das Virus seitdem durch Mutationen der Erbsubstanz entwickelt. Die heutigen Influenzaviren des Subtyps A/H1N1 verfügen über Erbsubstanz aus Grippeviren von Schweinen, Vögeln und Menschen. Die saisonalen Grippeviren enthalten bis zu einem Drittel A/H1N1-Subtypen.

Ansteckungswege

Wie die normale Grippe auch, verbreiten sich Schweinegrippenviren per Tröpfcheninfektion und wahrscheinlich auch per Schmierinfektion. Bei der Tröpfcheninfektion gelangen die Viren beim Husten oder Niesen in die Raumluft und werden von anderen Menschen eingeatmet.

Bei der Schmierinfektion gelangen die Viren über die Hände in den Organismus. Ein typischer Ansteckungsweg: Eine mit dem Schweinegrippenvirus infizierte Person hustet oder niest. Dabei gelangen Viren auf die Hand – und werden dann auf Türklinken, Lichtschalter oder andere Gebrauchsgegenstände übertragen. Beim Kontakt mit diesen Gegenständen gelangen die Viren an die Hände des nächsten Wirts. Und wenn nun die Hände den Mund, die Nase oder das Auge berühren, können die Schweinegrippeviren über die Schleimhäute in den Körper gelangen.

Untersuchung

Die Untersuchungen bei Schweinegrippe unterscheiden sich kaum von denen bei einer anderen Grippe. Der richtige Ansprechpartner bei jedem Verdacht auf eine Grippeerkrankung ist der Hausarzt. Im Idealfall teilen Sie Ihrem Hausarzt bei der Terminvereinbarung mit, dass Sie möglicherweise an einer Grippe leiden. Dann kann das Praxisteam sich darauf einstellen und so vermeiden, dass andere Menschen angesteckt werden.

Die Verdachtsdiagnose Schweinegrippe lässt sich anhand der Symptome nicht bestätigen. Etwaige Magen-Darm-Beschwerden könnten durch eine andere Erkrankung ausgelöst sein. Gewissheit schafft die Untersuchung eines Rachenabstriches in einem Speziallabor. Allerdings dauert der Nachweis mehrere Tage. In den meisten Fällen ist die Schweinegrippe oder Grippe dann schon überstanden. Daher wird auf den Virennachweis in aller Regel verzichtet.

Ausnahme: Es gibt einen durch die Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) naheliegenden Verdacht auf eine spezifische A/H1N1-Infektion. Das kann beispielsweise bei Landwirten, Schweinezüchtern oder Tierärzten der Fall sein.

Behandlung

Das wichtigste Element der Behandlung der Schweinegrippe besteht darin, andere Menschen nicht anzustecken. Das gilt insbesondere für Kinder sowie andere Menschen mit einer alters- oder krankheitsbedingten Abwehrschwäche und Schwangere.

Medikamentöse Therapie von Schweinegrippe

Für die medikamentöse Therapie von Schweinegrippe stehen die Wirkstoffe Oseltamivir (Handelsname: Tamiflu) und Zanamivir (Handelsname: Relenza) zur Verfügung. Das sind virenhemmende Mittel aus der Gruppe der sogenannten Neuraminidasehemmer. Sie blockieren ein Enzym, dass die Schweinegrippenviren brauchen, um sich zu vermehren.

Neuraminidasehemmer werden nur bei schweren Verläufen der Schweinegrippe oder besonders geschwächten Erkrankten sowie chronisch Kranken angewendet. Das hat vor allem einen Grund: Wenn Oseltamivir und Zanamivir nicht optimal dosiert werden, besteht die Gefahr, dass die Schweinegrippeviren eine Resistenz gegen die Medikamente ausbilden. Diese Resistenz könnte sich ausbreiten und damit das Virus noch widerstandsfähiger machen. Dieses Risiko ist ungleich gefährlicher als die meist harmlos verlaufende Schweinegrippe.

Zudem halten viele Experten das Verhältnis von Nutzen und Nebenwirkungen der Neuraminidasehemmer für ungünstig. Studien zufolge verkürzen sie die Erkrankungsdauer im Durchschnitt um einen Tag. Das Risiko für Komplikationen senken sie nicht. Zudem kommt es vergleichsweise häufig zu Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen, Erbrechen und Übelkeit. Sogar Halluzinationen sowie erhöhte Suizidgefahr zählen zu den Nebenwirkungen von Oseltamivir und Zanamivir.

Viel Schlaf und viel trinken

Das beste Mittel gegen Schweinegrippe ist viel Schlaf. Insbesondere bei Fieber, Erbrechen oder Durchfall sollten Sie viel trinken, um den Verlust an Flüssigkeit und Elektrolyten zu ersetzen. Gut geeignet sind koffeinfreie Tees, vorzugsweise aus Kräutern oder Heilpflanzen wie Kamille, Salbei und Thymian. Auch Fruchtsaftschorlen mit 2 Dritteln Wasser versorgen den Körper mit Flüssigkeit und Mineralstoffen.

Gegen Schmerzen und Fieber helfen Medikamente mit Wirkstoffen wie Paracetamol, Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure, kurz ASS (nicht bei Kindern unter 14 Jahren). Wadenwickel sind sehr gut geeignet, um Fieber ohne Medikamente zu senken.

Prognose

Die Heilungsaussichten bei Schweinegrippe sind sehr gut. In fast allen Fällen verläuft die Infektion mild. Die Sterberate von 0,02 Prozent ist vor allem auf Komplikationen in Form von Superinfektionen zurückzuführen. Das sind vor allem Lungenentzündung (Pneumonie), Hirnhautentzündung (Mengintis), Gehirnentzündung (Enzephalitis) und Herzmuskelentzündung (Myokarditis).

Vorbeugung

Den besten Schutz vor einer Infektion mit Schweinegrippenviren bietet die handelsübliche Grippeschutzimpfung. Der Dreifach-Impfstoff (trivalente Impfstoff) für die Grippesaison 2017/2018 schützt vor den aktuell meistverbreiteten Subtypen des Influenzavirus. Dazu zählt in diesem Jahr der Grippevirenstamm A/Michigan/45/2015 (H1N1).

H3: Schweinegrippenschutzimpfung nur selten sinnvoll

Eine spezielle Schweinegrippenschutzimpfung ist möglich. Sie ist nach Einschätzung des Robert-Koch-Institutes jedoch nur für Personen sinnvoll, die berufsbedingt einem erhöhten Risiko für eine Infektion mit der Schweinegrippe ausgesetzt sind.

Die Schweinegrippenschutzimpfung geht möglicherweise mit Risiken einher. Während der Pandemie 2009/2010 gab es Berichte über eine erhöhte Rate an Fällen von Schlafkrankheit (Narkolepsie) im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung. Auch in Deutschland kam es zu 29 Fällen von Narkolepsie. Das ist mehr als doppelt so viel wie im langjährigen Durchschnitt. Bislang konnte aber nicht geklärt werden, ob es sich bei dieser Häufung um einen Zufall handelt oder ob es tatsächlich einen kausalen Zusammenhang gibt.

Selbstschutz gegen Grippeinfektionen

Virale Infektionen wie Schweinegrippe, Grippe oder Erkältungen lassen sich nicht sicher vermeiden. Es gibt aber eine ganze Reihe von Verhaltensweisen, mit denen Sie das Ansteckungsrisiko für sich und andere vermindern.

  • Regelmäßiges Händewaschen ist eine der wirkungsvollsten Maßnahmen zum Selbstschutz gegen Grippeinfektionen. Desinfizierende Reinigungsmittel sind nicht zwingend notwendig. Seife allerdings schon – und die sollte vorzugsweise aus einem Seifenspender kommen. Auf Stückseife überleben Viren mehrere Stunden.
  • Auch wenn es unhöflich erscheint: Während der Grippe- und Erkältungssaison sollten Sie auf das Händeschütteln nach Möglichkeit verzichten. Das gilt vor allem dort, wo kranke Menschen zu erwarten sind, also in Arztpraxen, Krankenhäusern, Apotheken oder Altenheimen und Einrichtungen mit vielen Kindern.
  • Vermeiden Sie nach Möglichkeit den Kontakt zu erkrankten Personen. Und bleiben Sie selbst zuhause, wenn Sie sich einen viralen Infekt geholt haben. Im Büro stecken Sie nur die Kolleginnen und Kollegen an. Und die bringen das Virus möglicherweise sogar zu Ihnen zurück.
  • Beim Niesen oder Husten sollten Sie nicht die Hand vor Mund oder Nase halten. Husten oder niesen besser in die Armbeuge oder in Einmaltaschentücher. Diese Taschentücher tragen ihren Namen, weil sie nur einmal verwendet und dann entsorgt werden sollen. In der Hosentasche vermehren sich die Viren auf dem Taschentuch.

Autor: Charly Kahle

Stand: 04.10.2017

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