Tinnitus (Ohrgeräusche)

Ohrgeräusche sind lästig und können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Die gute Nachricht: In vielen Fällen ist Heilung möglich. Lesen Sie mehr über die Symptome, Ursachen, Therapie und Vorbeugung von Tinnitus.

Synonyme

Ohrgeräusche

Definition

Mann arbeitet mit der Bohrmaschine

Tinnitus ist die medizinische Bezeichnung für Ohrgeräusche, die nur für den Betroffenen selbst zu hören sind. Meistens handelt es sich bei diesen Tinnitus-Geräuschen um pfeifende oder summende Töne hoher Frequenz. Weit verbreitet und harmlos ist das vorübergehende Ohrklingen oder Ohrklingeln. Schnelle ärztliche Hilfe ist dagegen notwendig, wenn plötzlich starke Ohrgeräusche in Verbindung mit einer rapiden Abnahme der Hörfähigkeit oder Schwindel auftreten. Dann liegt der Verdacht auf einen Hörsturz nahe.

Tinnitus führt häufig zu Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche und abnehmender Leistungsfähigkeit. Selbst Depressionen und völliger sozialer Rückzug können Folge von Tinnitus sein. Zudem bereiten die Ohrgeräusche dem Betroffenen starken Stress, welcher die Beschwerden wiederum erschwert.

Die Therapie von Tinnitus kennt medikamentöse und operative Verfahren, die nicht immer zum Erfolg führen. Als sehr aussichtsreich beschreiben viele Experten eine spezielle Form der Musiktherapie, die am Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung in Heidelberg entwickelt wurde. Studien bescheinigen: Summen hilft gegen Tinnitus.

Symptome

Typisches Symptom von Tinnitus ist das Hören von Geräuschen, die nur der Betroffene selbst wahrnehmen kann. Die Ohrgeräusche bei Tinnitus können sehr verschieden sein. Besonders häufig aber sind hochfrequente Töne, die einem Pfeifen oder Klingeln ähneln. Tinnitus kann aber auch rauschen, summen, brummen, knacken, klopfen oder zischen. Die Geräusche können in ihrer Intensität gleich bleiben oder ab- und anschwellen. Ärzte unterscheiden zwischen einem objektiven Tinnitus und dem subjektiven Tinnitus. Geräusche des objektiven Tinnitus können bei einer ohrenärztlichen Untersuchung durch spezielle Testverfahren dargestellt werden. Beim viel häufiger auftretenden subjektiven Tinnitus ist das nicht möglich. Tinnitus kann sehr störend sein. Die Ohrgeräusche können anfallsartig auftreten, zeitweilig aussetzen oder sind dauerhaft zu hören. Sie werden oft in ruhiger Umgebung (beispielsweise nachts) als besonders stark empfunden. Gelegentlich mindert Tinnitus das Hörvermögen.

Ursachen

Die Ursache von Tinnitus ist letztlich ungeklärt. Man geht davon aus, dass die meisten Fälle von akut auftretenden Ohrgeräuschen auf Stoffwechselstörungen im Innenohr, insbesondere auf Durchblutungsstörungen mit Sauerstoffmangel, beruhen. Letztendlich führen wohl Störungen von Hirnfunktionen zu den Ohrgeräuschen. Erkrankungen des Mittelohres und Störungen im Gehörgang sind mitunter ebenfalls für Ohrgeräusche verantwortlich.

Mögliche Auslöser von Ohrgeräuschen

  • Hörsturz (plötzliche, meist einseitige Innenohrschwerhörigkeit)
  • Lärmschädigungen
  • Durchblutungsstörungen wie Gefäßverengungen
  • Veränderungen und Verspannungen der Halswirbelsäule
  • Erkrankungen des Mittelohrs wie akute Mittelohrentzündung, Trommelfellriss oder Entzündungen der Ohrtrompete
  • Erkrankungen des Innenohrs, wie Verkalkung der Labyrinthkapsel (Otosklerose) oder Autoimmunerkrankungen des Innenohres
  • Ménière-Krankheit(Störung im Ohr-Labyrinth mit akutem Drehschwindel, einseitigem Ohrensausen und Hörsturz)
  • Verschluss des Gehörganges durch einen Fremdkörper (oft Watte) oder Ohrschmalzpfropf im Ohr
  • Missbildungen oder Tumore der Ohrengefäße, Tumore der Gehörnerven
  • Stress, emotionale Konflikte
  • Medikamente, Chemikalien oder Gifte (wie Antibiotika, bestimmte Entwässerungsmittel, Schwermetalle, Arsen, Alkohol)
  • Folge eines Tauchunfalls (Barotrauma)
  • Begleiterscheinung bei Allgemeinerkrankungen wie Herz-Kreislauferkrankungen (zum Beispiel Herzklappenfehler), Blutarmut, Schilddrüsenunterfunktion oder Multipler Sklerose
  • Bluthochdruck oder sehr niedriger Blutdruck
  • Hirnhautentzündung.

Behandlung

Als Standard der Tinnitus-Therapie werden durchblutungsfördernde Medikamente wie Betahistindimesilat, Sulpirid, Naftidrofuryloxalat, Pentoxifyllin, Polyhydroxyethylstärke (HES) oder Ginkgo als Infusion oder Tablette eingesetzt. Bei Verdacht auf Innenohrentzündungen helfen möglicherweise Glukokortikoide wie Prednison oder Prednisolon. Diese werden oft mit Vitamin E und Magnesium kombiniert angewendet. In einigen Fällen lindern Infusionen mit dem örtlichen Betäubungsmittel Procain die lästigen Ohrgeräusche. Diese Form der Therapie sollte ausschließlich stationär, also in einer Klinik, erfolgen.

Eine weitere Möglichkeit ist die Gabe von Wirkstoffen, die in den Austausch der Nervenbotenstoffe (also in den Neurotransmitterhaushalt) eingreifen. Dabei werden insbesondere Caroverin (in Deutschland nicht zugelassen, wird von den anwendenden Ärzten über Österreich bezogen), Flupirtin und Glutaminsäure eingesetzt. Deren Wirksamkeit bei Tinnitus konnte bislang aber nicht bewiesen werden.

Operative Therapie bei Tinnitus

Je nach Ursache werden auch operative Maßnahmen eingesetzt, um die Ohrgeräusche zu lindern. Verengte Halsgefäße können beispielsweise geweitet, Fremdkörper oder Ohrenschmalzansammlungen im Gehörgang entfernt oder Kieferfehlstellungen korrigiert werden. Die früher übliche Durchtrennung des Hörnervs wird heute nicht mehr empfohlen. Die Erfolgsaussichten bei Tinnitus sind einfach zu niedrig.

Sauerstofftherapie

Eine häufig eingesetzte, wenn auch umstrittene Methode, ist die Sauerstoffüberdruckbehandlung (hyperbare Sauerstofftherapie, kurz HBO). Dabei atmen Betroffene in einer speziellen Überdruckkammer über eine Maske reinen Sauerstoff ein. Viele Patienten berichten danach von einer deutlichen Linderung der Ohrgeräusche.

Therapie von chronischem Tinnitus

Bei chronischem Tinnitus sollen Beratung und gegebenenfalls eine Psychotherapie den Patienten in die Lage versetzen, mit dem Tinnitus zu leben. Ist das nicht möglich oder nicht gewollt, können spezielle Tinnitus-Geräte Linderung verschaffen. Diese werden wie ein Hörgerät getragen und geben einen beständigen Ton ab, der die Wahrnehmung des Tinnitus in den Hintergrund drängen soll.

Sehr ermutigende Ergebnisse liefert die Musiktherapie gegen Tinnitus. In den entsprechenden Workshops erlernen die Teilnehmer eine Summ-Technik, mit der sich die Ohrgeräusche im günstigsten Fall sogar abstellen lassen. Das belegt eine neue Studie der Saar-Universität in Homburg. Sie kommt zu dem Schluss: Summen hilft gegen Tinnitus.

Selbsthilfe gegen Tinnitus

Die Selbsthilfe gegen Tinnitus ist vor allem auf den Umgang mit den Ohrgeräuschen beschränkt. Es lässt sich leider nicht leugnen, dass Tinnitus häufig nicht auf eine Behandlung anspricht. In diesen Fällen gilt es, die Ohrgeräusche als gegeben hinzunehmen und nicht weiter dagegen zu kämpfen. Dabei können Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation oder Yoga helfen. Konzentrationsübungen oder Fantasiereisen können vom Tinnitus ablenken.

Eine sichere Empfehlung zur Selbsthilfe bei Tinnitus ist kaum möglich, da die Ursachen zu vielfältig und der individuelle Tinnitus zu verschieden sind. Ein Tipp aber noch: Meiden Sie ohrenschädigende (ototoxische) Medikamente. Dazu gehören zum Beispiel die Antibiotika Neomycin, Tobramycin, Gentamycin und Vancomycin sowie die Entwässerungsmittel Furosemid und Ethacrynsäure. Selbst Acetylsalicylsäure (Aspirin, ASS) kann bei längerer Anwendung oder in höheren Dosen zu irreparablen Hörschädigungen führen und Tinnitus weiter verschlechtern.

Vorbeugung

Zur Vorbeugung von Tinnitus ist es sinnvoll, die Ohren vor all zu lauten Geräuschen zu schützen. Das gilt für den privaten Bereich (Musik hören beispielsweise) ebenso wie für den beruflichen. Vor allem im Beruf sollten Sie auf Schallschutz-Maßnahmen drängen, wie sie gesetzlich vorgeschrieben sind. Regelmäßige Entspannung beugt Verspannungen – und damit auch Tinnitus – vor. Außerdem helfen Pausen und Entspannungstechniken, Stress als Ursache von Tinnitus zu vermeiden.

Autor: Charly Kahle, Mitarbeit: Christiane von der Eltz (Apothekerin), Dr. Regina Schick (Ärztin)

Stand: 01.09.2013

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