Wundrose (Erysipel)

Flammenförmige, schmerzhafte Hautrötungen im Gesicht und an den Unterschenkeln, Schwellungen sowie oft Fieber mit Schüttelfrost: Wundrose (Erysipel) ist weit mehr als ein kosmetisches Problem. Alles Wichtige über Symptome, Ursachen, Therapie und Selbsthilfe bei Wundrose.

Synonyme

Erysipel, Rotlauf

Definition

Wundrose an den Zehen

Wundrose ist eine durch Bakterien (meist Streptokokken) ausgelöste Hautinfektion. Typisch sind flammenförmige, schmerzhafte Hautrötungen, die oft mit Schwellungen sowie Fieber mit Schüttelfrost einhergehen. Mediziner bezeichnen die Wundrose als Erysipel, in einigen Regionen Deutschlands wird sie auch Rotlauf genannt.

Die Wundrose ist keine harmlose Infektion. Die Bakterien können in tiefere Gewebeschichten und den Blutkreislauf gelangen. Beim Eindringen in tiefere Hautschichten besteht das Risiko der Bildung von Phlegmonen. Dabei handelt es sich um Bindegewebsentzündungen, die zu lebensgefährlichen Komplikationen führen können. Das Gewebe wird dabei durch bakteriell gebildete Enzyme zerstört. Potenziell lebensgefährdend sind auch die Komplikationen der Wundrose. Seltene Komplikationen von Erysipel sind Hirnhautentzündungen (Meningitis) oder Blutvergiftungen (Sepsis).

Die Wundrose tritt vor allem bei Menschen mit Durchblutungsstörungen auf. Typisch ist sie bei Venenschwäche, Diabetes, peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) oder Störungen des Lymphabflusses (siehe Ursachen).

Erysipele sind gut mit Antibiotika zu behandeln, kehren aber häufig wieder. Insbesondere für Risikogruppen ist eine besonders sorgfältige Haut- und Wundpflege ein wichtiger Bestandteil in der Vorbeugung von Wundrose.

Häufigkeit

Die Häufigkeit der Wundrose wird mit 100 Fällen pro 100.000 Einwohnern und Jahr angegeben. Diese Jahresprävalenz ist allerdings ein rein statistischer Wert. Bei Menschen mit Durchblutungsstörungen ist Wundrose deutlich häufiger. Sie gehört beispielsweise zu den häufigen Komplikationen bei fortgeschrittenem Diabetes oder bei ausgeprägter Venenschwäche (Veneninsuffizienz).

Symptome

Das charakteristische Symptom der Wundrose sind die deutlich abgegrenzten und zuweilen flammend rot leuchtenden, mitunter glänzenden, schmerzhaften Hautschwellungen. Auffallend ist eine stark ausgeprägte Berührungsempfindlichkeit der betroffenen Hautareale. Das sind in der Regel aber nicht die ersten Symptome der Hautinfektion. Ein Erysipel beginnt vielmehr häufig mit ganz unspezifischen grippeähnlichen Beschwerden wie Frösteln und allgemeinem Kältegefühl, Fieber (zuweilen mit Schüttelfrost), Kopfschmerzen, Müdigkeit und einem ausgeprägten Krankheitsgefühl.

Kurz bevor die Wundrose sichtbar wird, brennt und schmerzt es in den betroffenen Arealen. Die Haut ist im Bereich der Rötungen meist erwärmt und regagiert schon auf geringen Druck schmerzhaft. Die Rötung und die umgebenden Lymphknoten sind meist angeschwollen.

Selten bilden sich auch Blasen mit oder ohne Einblutungen. Diese Formen der Wundrosen bezeichnen Mediziner als bullöses oder bullös-hämorrhagisches Erysipel. Dann ist in aller Regel eine stationäre Aufnahme erforderlich. Ohne rasche und hoch dosierte Antibiotikagabe über eine Infusion bergen diese Erysipele ein hohes Risiko, erneut (rezidivierend) aufzutreten.

Wundrosen können am ganzen Körper entstehen. Besonders häufig aber sind sie an den Beinen, in Gelenkbeugen und im Gesicht. Im Gesicht wird ein Erysipel umgangssprachlich als Gesichtsrose bezeichnet.

Komplikationen

Bei schwerem Verlauf oder spätem Behandlungsbeginn steigt das Risiko für Komplikationen von Wundrose deutlich. Besonders gefährdet sind die Risikogruppen sowie Menschen mit Abwehrschwäche.

Lymphstauungen und Lymphödeme

Wenn die Wundrose auf tieferliegende Hautschichten übergreift, kann sie dort die Lymphbahnen verlegen. Das erschwert nicht nur die Heilung, sondern führt auch zu mitunter durchaus schmerzhaften Lymphstauungen und Lymphödemen. Dabei besteht das Risiko, dass Bindegewebe in die Stauungsbereiche einwächst. Das Ergebnis sind dauerhaft stark geschwollene schwere Beine. Dieser Prozess ist nicht mehr umkehrbar und sollte daher in jedem Fall vermieden werden.

Weitere Komplikationen der Wundrose

  • Venenentzündungen (Thrombophlebitis) in benachbarten Venen
  • Blutvergiftung, wenn die Bakterien in die Blutbahn gelangen (sehr selten)
  • Herzinnenhautentzündungen (Endokarditis) und Nierenentzündungen (Glomerulonephritis) mit dem Risiko des Nierenversagens
  • bei Wundrose im Gesicht: Hirnhautentzündungen oder Hirnvenenthrombosen (sehr selten)
  • bei Wundrose am Unterschenkel: nekrotisierende Fasziitis, eine schwere Infektion, die unbehandelt zum Absterben von Oberhaut, Unterhautgewebe und Muskelfaszien führt (sehr selten).

Ursachen

Mit Abstand häufigste Ursache von Wundrose ist eine Infektion mit dem Bakterium Streptokokkus pyogenes aus der Gruppe der ß-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe A. Es gibt aber auch Berichte über Erysipele nach Infektionen mit anderen Streptokokken oder Bakterien aus der Gruppe der Staphylokokken sowie gramnegative Stäbchenbakterien wie Klebsiella pneumoniae.

Allen diesen Bakterien ist gemeinsam, dass sie natürlicherweise im Körper und auf der Haut vorkommen. Bei intakter Haut und intaktem körpereigenen Abwehrsystem richten sie keinen Schaden an. Problematisch kann es erst dann werden, wenn die Bakterien über eine Eintrittspforte die Haut durchdringen. Typischerweise gelangen Bakterien bei operativen Eingriffen oder Verletzungen wie Schnitten, Abschürfungen oder Insektenstichen in die Haut. Aber selbst trockene rissige Haut, Nagel- und Fußpilz oder kleinste Verletzungen der Haut wie Einrisse im Nagelbett können den Bakterien als Eintrittspforte in tiefere Hautschichten dienen.

Risikogruppen

Das Risiko für ein Erysipel steigt, wenn der Abfluss der eingedrungenen Bakterien durch Lymphstauungen oder Lymphödemen erschwert wird. Die geschädigten Lymphbahnen können die Erreger also nicht mehr ungehindert und rasch zu den Lymphknoten abtransportieren, wo die Bakterien normalerweise eliminiert werden. Es gibt eine ganze Reihe von Erkrankungen, die den Lymphfluss negativ beeinflussen. Zu den Risikogruppen für Wundrose zählen daher Menschen mit den folgenden Erkrankungen:

  • Durchblutungsstörungen durch Venenschwäche, Diabetes, periphere arterieller Verschlusskrankheit (pAVK)
  • Herzschwäche
  • Krampfadern
  • Nierenschäden
  • Unter- und Mangelernährung.

Menschen mit Hauterkrankungen wie Haut- und Nagelpilz, Neurodermitis oder Schuppenflechte bilden eine weitere Risikogruppe, die überdurchschnittlich Episoden von Wundrose durchmachen.
Außerdem begünstigen Schwächen der körpereigenen Abwehr die Infektion mit Erregern von Erysipel. Immundefizite sind beispielsweise typisch bei:

  • Chemotherapie oder anderen immunsuppressiven medikamentösen Therapien
  • Alkohol- oder Drogenabhängigkeit
  • Immunschwächeerkrankungen wie HIV.

Untersuchung

Für die Diagnose einer Wundrose wenden Sie sich vorzugsweise an einen Hautarzt. In der Regel erkennen Hautärzte Wundrosen anhand der typischen Optik und der ausgeprägten Berührungsempfindlichkeit bei einer einfachen Sichtuntersuchung. Die auslösenden Bakterien von Erysipel lassen sich in aller Regel im Labor nicht nachweisen. Dennoch müssen für eine sichere Diagnosestellung und die Einleitung der richtigen Therapie andere Ursachen wie nekrotisierende Fasziitis, allergische Kontaktdermatitis oder Stauungsdermatitis sowie Lyme-Borreliose ausgeschlossen werden. Üblicherweise wird der Arzt dafür ein sogenanntes „großes Blutbild“ anordnen. Bei Wundrose sind die Entzündungsmarker stark erhöht. Zum Ausschluss einer Infektion nach Zeckenstich wird zusätzlich der Borrelien-Titer bestimmt.
 

Behandlung

Die antibakterielle Therapie der Wundrose erfolgt medikamentös mit Antibiotika. Dabei werden meistens Penicilline oder Cephalosporine wie Cefuroxim eingesetzt. Bei einer Penicillinunverträglichkeit stehen mit Wirkstoffen wie Erythromycin (Makrolid-Antibiotikum) oder Clindamycin (Lincosamid-Antibiotikum) gut wirksame Alternativen zur Verfügung. Bei besonders schwerem Verlauf, wie etwa bei bullösen Wundrosen oder tiefen Erysipel-Phlegmonen, werden die Patienten im Krankenhaus behandelt. Dann erfolgt die Medikamentengabe zu Beginn intravenös. Danach wird auf Tabletten umgestellt.

Gegen die Schmerzen helfen Schmerzmittel wie Paracetamol, Tilidin und Tramadol. Zudem können die betroffenen Hautareale mit kühlenden und desinfizierenden Umschlägen (beispielsweise mit Hydroxychinolon- oder Chloramin-Lösung) behandelt werden.

Gerinnungshemmende Medikamente wie Aspirin, Clopidogrel oder Heparin dienen dazu, Blutgerinnsel zu vermeiden. Das ist vor allem bei bettlägerigen oder bewegungseingeschränkten Patienten wichtig.

Mitunter muss ein Eysipel operativ versorgt werden. Sind beispielsweise Muskelfaszien von der Entzündung betroffen, kann eine chirurgische Spaltung der Muskelfaszie (Fasziotomie) erforderlich sein. Auch sollte abgestorbenes (nekrotisches) Gewebe operativ entfernt werden.

In den weitaus meisten Fällen begünstigen Durchblutungsstörungen sowie Haut- und Nagelpilz die Entstehung von Wundrosen. Von daher ist es ein weiteres Ziel der Therapie, diese Erkrankungen möglichst gut zu behandeln.

Vorbeugung

Insbesondere Angehörige der Risikogruppen (siehe Ursachen) sollten besonders gut darauf achten, dass sie die Therapieempfehlungen strikt beachten. Darüber hinaus empfiehlt es sich, das Hautbild regelmäßig sorgfältig zu überprüfen. Schon bei kleinsten Hautveränderungen ohne offenkundige Ursache sollten Sie zum Arzt gehen. Das gilt insbesondere dann, wenn Fieber und ein geschwächter Allgemeinzustand hinzukommen.

Rückfallprophylaxe mit Antibiotika

Für Menschen, die wiederholt an Wundrosen leiden, kann eine medikamentöse Vorbeugung von Rückfällen mit Antibiotika sinnvoll sein. Jüngeren Studien zufolge lässt sich die Rückfallrate so senken. Allerdings geht die regelmäßige Einnahme von Antibiotika mit Risiken einher. Ob der Nutzen der antibiotischen Rückfallprophylaxe überwiegt, lässt sich nur von Fall zu Fall individuell entscheiden.

Autor: Charly Kahle

Stand: 14.09.2017

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