Zytomegalie

Zytomegalie (auch Cytomegalie oder kurz CMV) ist eine Infektion, die vor allem Schwangere bzw. werdende Eltern aufhorchen lässt. Schließlich kann eine Infektion mit dem Zytomegalievirus das Kind im Mutterleib schwer schädigen. Hier lesen Sie mehr über Ursachen, Symptome und Behandlung von Zytomegalie.

Synonyme

Cytomegalie, Einschlusskörperchenkrankheit, CMV-Infektion,HCMV

Definition

Schwangerschaftsuntersuchung

Zytomegalie ist eine Infektionserkrankung, die bei gesunden Menschen meist unbemerkt verläuft. Und das ist eine Tücke der Infektion, vor allem für Schwangere. Denn wenn sich eine werdende Mutter mit dem Zytomegalievirus bzw. Humanen Cytomegalie-Virus (HCMV) ansteckt, kann das weitreichende Folgen für das ungeborene Kind haben. In Deutschland sterben pro Jahr etwa 60 Kinder infolge einer unerkannten Zytomegalie-Erstinfektion der Mutter, etwa 1.000 Kinder kommen mit bleibenden Schäden auf die Welt. Zum Vergleich: Pro Jahr kommen in Deutschland jährlich etwa 1.200 Säuglinge mit Trisomie 21 (Down-Syndrom) zur Welt.

Verursacht wird Zytomegalie durch das Zytomegalievirus, das zu den Herpesviren gehört. Die Symptome der Infektion bleiben fast immer unbemerkt. Nur sehr selten kommen es zu spürbaren Krankheitszeichen, die aber meist sehr unspezifisch bleiben. Infektionen mit dem Zytomegalievirus lassen sich vergleichsweise leicht nachweisen. Die Behandlung von Zytomegalie erfolgt medikamentös mit virenhemmenden Wirkstoffen.

Häufigkeit

Zytomegalie gilt als die häufigste von der Mutter auf das Kind übertragene Infektion während der Schwangerschaft. Gefährlich sind nur die HCMV-Erstinfektionen. Deren Anteil wird in Studien mit 0,3 bis 1 Prozent aller Schwangerschaften angegeben. In mehr als einem Drittel dieser Fälle (40 Prozent) überträgt die Mutter das Virus auf ihr Kind.

Im Jahr 2015 kamen in Deutschland gut 740.000 Kinder zur Welt. Bei einer Infektionsrate von 1 Prozent haben sich demnach 7.400 Schwangere erstmals mit HCMV angesteckt. Dabei wurden rechnerisch etwa 3.000 Neugeborene infiziert. Etwa ein Drittel von ihnen erlitt bleibende Schäden.

Symptome

Die Symptome von Zytomegalie bleiben bei gesunden Menschen fast immer unbemerkt. Experten gehen davon aus, dass es nur in 1 Prozent der Infektionen zu Grippe-ähnlichen Symptomen wie leichtem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schwellungen der Lymphknoten kommt.

Symptome bei Neugeborenen

Typische Symptome einer Zytomegalie-Infektion bei Neugeborenen bzw. Kleinkindern sind Entwicklungs- und Gedeihstörungen. Bei Art und Ausprägung der Symptome kommt es auf den Infektionszeitpunkt an. Bei einer Ansteckung im ersten und zweitem Drittel der Schwangerschaft sind insbesondere Fehlbildungen des Herz-Kreislauf-Systems und Magen-Darm-Trakts sowie der Muskeln und des Skelettsystems häufig. Zudem sind oft Leber und Milz der Kinder vergrößert und das Gehirn verkleinert. Auch kommen die Kinder besonders häufig mit Seh- und Hörstörungen zur Welt, viele sogar blind oder taub.

Weiterhin häufig sind schwere Schädigungen der Hirnentwicklung, die in der Regel mit einer geistigen Behinderung einhergehen. Blutarmut (Anämie), Blutgerinnungsstörungen infolge Blutplättchenmangels und flohstichartige Einblutungen in Haut und Organe sind Symptome einer Zytomegalie-Infektion bei Neugeborenen.

Bei einer Ansteckung im ersten und zweitem Drittel der Schwangerschaft steigt zudem die Gefahr für Fehlgeburten. Etwa 30 Prozent der Ungeborenen überleben eine Zytomegalie-Infektion im Mutterleib nicht.

Eine Ansteckung im letzten Drittel der Schwangerschaft ist nicht mehr ganz so gefährlich und die Folgen weniger stark ausgeprägt.

Mitunter werden sind die Symptome nicht schon bei der Geburt offenkundig. Vor allem die Entwicklungs- und Gedeihstörungen können auch erst Jahre nach der Geburt auffällig werden. In diesem Fall sprechen Mediziner vom Cytomegalie-Virus-Syndrom (siehe auch Ursachen).

Komplikationen bei Abwehrschwäche

Zytomegalie geht nicht nur mit besonderen Risiken für ungeborene Kinder einher. Auch bei immungeschwächten Menschen ist das Risiko für Komplikationen deutlich erhöht. Zu diesen Komplikationen bei Abwehrschwäche zählen Leberentzündung (Hepatitis), Lungenentzündung (Pneumonie) und Nervenentzündungen (Polyneuritis). Häufig kommt es auch zu zusätzlichen bakteriellen Infektionen und Geschwüren im Magen-Darm-Trakt. Die Komplikationen können potenziell lebensbedrohlich verlaufen.

Besonders gefährdet sind Menschen während einer Chemotherapie, nach Nieren- oder Stammzelltransplantationen sowie bei HIV-Infektionen oder AIDS.

Ursachen

Ursache von Zytomegalie ist eine Infektion mit dem Zytomegalievirus, das auch als Humanes Cytomegalie-Virus (HCMV) bezeichnet wird. HCMV gehört zur Familie der Herpesviren. Genauer gesagt handelt es sich um das Humane Herpesvirus 5 (HHV 5). Das Virus besteht praktisch nur aus Erbsubstanz (DNA), die von einer Hülle umgeben ist. Es nistet sich dann in den Wirtszellen ein und vermehrt sich rasch.

Nach der Erstinfektion verbleibt das Virus im Körper. Dabei ist es – wie andere Herpesviren auch – inaktiviert. Wie die Viren von Lippenherpes, Genitalherpes oder Gürtelrose kann es aber jederzeit erwachen und eine erneute Infektion auslösen. Auch diese Folgeinfektionen bleiben bei gesunden Menschen in aller Regel unbemerkt.

Verbreitung

Wie andere Viren seiner Art ist das Zytomegalievirus bei Menschen sehr weit verbreitet. Die Angaben über das Ausmaß der Verbreitung schwanken je nach Quelle. Einige Studien gehen davon aus, dass die Hälfte aller Erwachsenen in Deutschland das Virus in sich trägt. Andere Experten gehen von mehr als 80 Prozent aus.

Ansteckungswege

Das Zytomegalievirus ist hoch ansteckend. Es verbreitet sich sowohl mit der Atemluft (Tröpfcheninfektion bei Husten oder Niesen) wie durch Schmierinfektionen (Kontakt mit Blut, Speichel oder Urin) und bei sexuellen Kontakten (Sperma oder Scheidensekrete). Daher ist die Infektionsrate bei Erwachsenen auch so hoch.

Bei ungeborenen Kindern wird das Virus über die Plazenta und die Nabelschnur von der Mutter auf das Kind übertragen. Doch auch während des Geburtsvorgangs kann eine Übertragung des Virus von der Mutter auf den Säugling stattfinden. Eine Ansteckung nach der Geburt erfolgt in der Regel über die Muttermilch. In diesem Fällen kann es auch Monate oder Jahre nach der Geburt zur Zytomegalie kommen.

HCMV in der Muttermilch inaktivieren

Die meisten Ärzte empfehlen, dass Mütter mit einem positiven Nachweis von HCMV-Antikörpern auf das Stillen verzichten sollten. Diese Empfehlung gilt insbesondere für das Stillen Frühgeborenen. Andere Ärzten raten, die Muttermilch vor dem Füttern einzufrieren und das Zytomegalie-Virus so unschädlich zu machen. Das Einfrieren bietet jedoch keine 100prozentige Sicherheit. Eine bessere Alternative ist eine Kurzzeitwärmebehandlung, die Zytomegalievirus zuverlässig inaktiviert. Betroffene Mütter sollten diese Möglichkeiten am besten mit der Hebamme und einem Frauen- oder Kinderarzt diskutieren.

Was verursacht das Zytomegalievirus im Körper?

Zytomegalieviren verursachen in den Körperzellen ein Riesenwachstum. Zunächst werden die Zellen im Speicheldrüsengewebe befallen. Diese verändern sich und es entwickeln sich sogenannte plasmatische Einschlusskörperchen. Mediziner sprechen aufgrund der Ähnlichkeit unter dem Mikroskop auch von Eulenaugenzellen. Die Bezeichnung Zytomegalie leitet sich von den griechischen Worten für Zelle (Cytos) und groß (mega) ab. Nach einer Erkrankung können die Viren noch mehrere Wochen lang mit dem Urin oder Speichel ausgeschieden werden.

Bei gesunden Menschen erkennt das Immunsystem die Zytomegalieviren und die infizierten Zellen schnell und bekämpft sie. Daher bleibt die Infektion fast immer unbemerkt. Die Viren sind aber weiterhin im Gewebe nachweisbar.

Bei abwehrgeschwächten Menschen sowie Föten oder kleinen Kindern ist das Immunsystem nicht immer in der Lage, die Riesenzellen zu bekämpfen. Dadurch kommt es beispielsweise zu dem gesteigerten Wachstum von Leber und Milz. Für Ungeborene oder kleine Kinder ist es besonders fatal, wenn Gehirn- und Nervenzellen durch das Riesenwachstum in ihrem sehr sensiblen Wachstum gestört werden.

Untersuchung

Die Diagnose von Zytomegalie erfolgt in der Regel durch den Nachweis von HCMV in Speichel, Urin oder auf der Haut. Im Blut lassen sich zudem Antikörper gegen das Zytomegalievirus nachweisen. Allerdings lässt sich mit diesen Testverfahren nicht feststellen, ob es sich um eine Erstinfektion handelt oder ob die Ansteckung schon länger zurückliegt.

Die Ansteckung eines ungeborenen Kindes lässt sich durch eine Fruchtwasseruntersuchung nachweisen.

Behandlung

In der Therapie von Zytomegalie kommen virenhemmende Medikamente und sogenannte Hyperimmunglobuline zum Einsatz. Häufig verwendete Virustatika bei ansonsten gesunden Menschen sind beispielsweise Aciclovir, Foscarnet oder Ganciclovir.

Hyperimmunglobuline werden vor allem bei immungeschwächten Menschen angewendet. Diese speziellen Medikamente bestehen aus Antikörpern, die das Zytomegalievirus gezielt angreifen und so die natürliche Funktion des Immunsystems übernehmen. Zusätzliche bakterielle Infektionen werden mit Antibiotika behandelt.

Eine gezielte Behandlung von Kindern im Mutterleib ist bislang nicht möglich.

Prognose

Bei gesunden Menschen verläuft Zytomegalie in 99 Prozent folgenlos. Dieser Verlauf ist auch bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem, bei Kindern im Mutterleib sowie kleinen Kindern möglich. Eine generelle Prognose lässt sich jedoch kaum stellen. Insgesamt aber ist das Risiko für folgenträchtige Infektionen während der Schwangerschaft mit etwa 1 Fall auf 740 Geburten vergleichsweise gering.

Vorbeugung

Die Vorbeugung einer Erstinfektion mit dem Humanen Cytomegalie-Virus ist praktisch kaum möglich. Dafür sind die Infektionswege von HCMV zu vielfältig. Das Risiko lässt sich aber durch sorgfältige Hygiene (vor allem Händewaschen) und die Verwendung von Kondomen bei sexuellen Kontakten zumindest vermindern.

Erste Impfstoffe sind in der Erprobung, haben bislang aber keine ausreichende Schutzwirkung erzielen können. Ob es jemals eine sicher HCMV-Impfung geben wird, ist völlig unklar.

CMV-Test für Schwangere

Über die Notwendigkeit eines CMV-Tests für Schwangere oder Frauen mit Kinderwunsch gibt es unterschiedliche Meinungen. Die Träger der gesetzlichen Krankenversicherung jedenfalls sehen keinen ausreichenden Nutzen und bezahlen den CMV-Test nicht. Sie argumentieren, das Risiko für Ungeborene sei gering, zudem gebe es keine Therapie, die den Ungeborenen im Fall einer Infektion helfen könne. Daher wird der CMV-Test von Frauenärzten als sogenannte individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) angeboten. Die Kosten betragen etwa 15 Euro.

Beschäftigungsverbote in der Kinderbetreuung

Schwangere, die in ihrem Beruf Kleinkinder bis zum Alter von 3 Jahren betreuen, müssen durch einen Antikörpertest nachweisen, dass sie sich bereits vor der Schwangerschaft mit dem Zytomegalievirus angesteckt hatten. Ohne den Nachweis der Erstinfektion dürfen sie ihren Beruf während der Schwangerschaft nicht ausüben. Der Grund: Die Kleinkinder könnten das Virus auf die Schwangere übertragen und die Mutter so ihr Kind infizieren.

Autor: Charly Kahle

Stand: 14.09.2017

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