Verhütungsmethoden

Bei Verhütungsmethoden unterscheidet man zwischen natürlicher, mechanischer, chemischer und hormoneller Verhütung.

Verhütungsmethoden

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen natürlicher, mechanischer, chemischer und hormoneller Verhütung, wobei es sinnvoll sein kann, verschiedene Verhütungsmethoden miteinander zu kombinieren. Die Auswahl des geeigneten Verhütungsmittels hängt von verschiedenen Faktoren wie z.B. Alter, Familienplanung, Sicherheit, Religion etc. ab. Wenn keine Kinder mehr erwünscht sind, besteht durch die Sterilisation des Mannes oder der Frau die Möglichkeit dauerhaft zu verhüten. Eine Sterilisation ist in der Regel irreversibel. Bei Unsicherheiten kann ein Frauenarzt oder eine Familienberatungsstelle aufgesucht werden.

Die Sicherheit der einzelnen Verhütungsmethoden wird durch den sogenannten Pearl-Index angegeben. Man versteht darunter die Zahl der Schwangerschaften, die in einem Jahr auftreten, wenn 100 Frauen im gebärfähigen Alter die jeweilige Verhütungsmethode anwenden. Das heißt, je niedriger der Pearl-Index ist, desto niedriger ist das Risiko einer Schwangerschaft.

Natürliche Verhütungsmethoden

Coitus interruptus

Der vorzeitigs Abbruch des Geschlechtsakts ist eine weit verbreitete Methode zur Schwangerschaftsverhütung. Abgesehen davon, dass diese Methode meist nicht zur sexuellen Befriedigung führt, ist sie auch mit einer hohen Versagerquote belastet.

Pearl-Index: 10-38

Zeitwahlmethode (Knaus-Ogino-Methode)

Die Methode besteht in der Beschränkung des sexuellen Verkehrs auf die unfruchtbaren Tage der Frau. Dabei ist zu beachten, dass die zweite Zyklusphase (nach dem Eisprung) konstant 13-14 Tage dauert. Außerdem beträgt die Lebensdauer der Spermien im weiblichen Genitaltrakt 24-72 Stunden. Die fruchtbaren Tage einer Frau beginnen demnach 3 Tage vor dem Eisprung. Bei einer zwischen 26 und 30 Tagen schwankenden Zykluslänge wird nach Knaus-Ogino zur Enthaltsamkeit zwischen dem 8. und 19. Zyklustag geraten. Bei stark schwankender Zykluslänge ist davon unbedingt abzuraten. Die Methode ist relativ unsicher.

Pearl-Index: 1-35

Basaltemperaturmessung

Um die Zeit des Eisprungs festzustellen, wird die morgendliche Aufwachtemperatur gemessen. Nach dem Eisprung erhöht sich die Körpertemperatur um 0,3-0,5°C, eine Konzeption (Befruchtung) ist dann nicht mehr möglich.

Pearl-Index: 1

Billings-Methode

Sie beruht auf dem Prinzip der Selbstbeobachtung. Der Eisprung kündigt sich und durch einen veränderten dünnflüssigen und spinnbaren Zervixschleim (Sekret des Muttermundes) an, der durch die Scheide austritt.

Pearl-Index: 1-15

Kombination von Basaltemperaturmessung und Beobachtung des Zervixschleims:

Wenn nach Verschwinden des dünnflüssigen Zervixschleims an drei aufeinanderfolgenden Tagen eine Erhöhung der Basaltemperatur gemessen wurde, befindet sich die Frau mit großer Sicherheit in der unfruchtbaren Zyklusphase.

Pearl-Index: 1

Vorteile natürlicher Verhütungsmethoden

Keine Nebenwirkungen.

Nachteile natürlicher Verhütungsmethoden

  • Störanfällig durch Schwankungen des Eisprungs oder Unsicherheiten in der Messung. Bei Krankheit oder Stress verschieben sich der Eisprung und die Temperatur. Funktioniert nur bei mehr oder weniger regelmäßigem Zubettgehen (langer Nachtschlaf!) und geregeltem Tagesablauf.
  • Während der fruchtbaren Tage müssen trotzdem andere Verhütungsmittel verwendet werden.

Chemische Methoden

Bei der chemischen Verhütung werden Spermien abtötende Substanzen in Form von Tabletten, Zäpfchen, Schaumovula, Salben, Gelees oder Sprays in die Scheide eingebracht. Damit diese Mittel ihre Wirkung vollständig entfalten, müssen sie mindestens 10 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr eingeführt werden. Bei alleiniger Anwendung eher unsichere Methode.

Pearl-Index: 3-25

Vorteile chemischer Methoden

  • Nur bei Bedarf anzuwenden.
  • Töten bestimmte Krankheitserreger ab.

Nachteile chemischer Methoden

  • Reizung der Scheidenschleimhaut.
  • Die Schaumbildung kann als störend empfunden werden.

Mechanische Methoden

Kondom (Präservativ)

Kondome werden relativ häufig zur Schwangerschaftsverhütung benutzt. Die Sicherheit der Methode hängt von der richtigen Handhabung ab. Sie sollten gemeinsam mit chemischen Verhütungsmethoden (Spermiziden) verwendet werden, um die Sicherheit zu erhöhen.

Pearl-Index: 7-14

Vorteile des Kondoms

  • Nur bei Bedarf anzuwenden.
  • Infektionsschutz insbesondere gegen sexuell übertragbare Krankheiten wie AIDS, Tripper und Syphilis, Chlamydien.
  • Einfach und relativ preiswert.
  • Kondome sind die bisher einzige Verhütungsmethode, die vom Mann angewendet werden kann.

Nachteile des Kondoms

  • Möglichkeit der Latexallergie.
  • Reduzierte Empfindsamkeit, wird oft als störend empfunden.

Scheidendiaphragma

Eine Gummihalbschale, die in die Scheide eingeführt wird, um den Muttermund abzudecken. Ein Diaphragma muss vom Arzt genau angepasst werden. Nach dem Geschlechtsverkehr muss das Diaphragma 6-8 Stunden in der Scheide belassen werden. In Verbindung mit Spermien abtötenden Cremes ist das Diaphragma bei richtiger Handhabung eine recht sichere Verhütungsmethode.

Pearl-Index: 4

Spirale (Intrauterinpessar, IUP)

Das Pessar ist eine relativ sichere Verhütungsmethode (Pearl-Index: 0,5-2,7). Durch den Fremdkörperreiz des in die Gebärmutter eingebrachten Pessars wird verhindert, dass sich das befruchtete Ei in die Gebärmutterschleimhaut einnistet. Pessare sind Kunststoffkörper von verschiedener Form (u.a. Spirale). Meist sind sie mit Kupferdraht umwickelt, was wichtig ist für die kontrazeptive Wirkung. Pessare eignen sich vor allem für Frauen, die Kinder geboren haben und älter als 35 Jahre sind. Ein Pessar wird vom Arzt in der Zyklusmitte oder während der Periode eingesetzt (wenn der Muttermund weiter geöffnet ist). Es behält seine Wirksamkeit über 3-5 Jahre.

Vorteile der Spirale:

  • Hohe Sicherheit.
  • Dauerhafte Verhütung über Jahre.

Nachteile der Spirale:

  • Verstärkte und verlängerte Blutungen, Zwischenblutungen (Zyklusstörungen).
  • Infektionsgefahr.
  • Anfangs oft leichte Schmerzen.

Femidom

Eine Art Kondom für die Frau zum Einlegen in die Scheide. Die Sicherheit hängt stark von der Qualität des Produktes und von der Erfahrung und Zuverlässigkeit der Anwenderin ab.

Hormonelle Methoden

Antibabypille

Die Pille wirkt, indem sie den Eisprung (Ovulation) verhindert. Man nennt sie deshalb auch Ovulationshemmer. Ohne Eisprung wird keine Eizelle aus dem Eierstock freigegeben. Es gibt kein befruchtungsfähiges Ei und somit auch keine Empfängnis. Diese Wirkung beruht auf den weiblichen Hormonen Östrogen und Gestagen in der Pille. Zusätzlich hat die Pille zwei weitere Effekte, die einer Schwangerschaft entgegen wirken. Sie sorgt dafür, dass die monatliche Verflüssigung des Schleims in der Gebärmutter ausbleibt - Samenfäden können erst gar nicht in die Gebärmutter eindringen. Außerdem kommt es durch die Pille zu Veränderungen an der Gebärmutterschleimhaut, die die Einnistung einer eventuell befruchteten Eizelle erschweren.

Die Pille sorgt damit für 3-fache Sicherheit:

  • Sie verhindert den Eisprung.
  • Sie verhindert das Eindringen von Samenzellen.
  • Sie verhindert die Einnistung der Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut.

Es gibt eine Reihe verschiedener Antibabypillen, die sich im Anteil der Hormone Östrogen und Gestagen unterscheiden.

In Einphasenpräparaten sind Östrogene und Gestagene immer in der gleichen Zusammensetzung enthalten. Bei Zwei- und Dreiphasenpräparaten ändert sich die Tablettenzusammensetzung über die Einnahmezeit. Diese Präparate wurden entwickelt, um eine bessere Verträglichkeit durch Nachahmung des normalen Zyklus zu erreichen. Wichtig ist, dass man sich genau an die Reihenfolge in der Packung hält.

Bei allen Präparaten wird nach 21 Pillen wird eine Pause von 7 Tagen gemacht, in der es zu einer Blutung kommt. Manche Präparate enthalten zusätzlich für diese 7 Tage arzneistoffreie Tabletten (Placebos), damit man nicht aus dem Einnahmerhythmus kommt.

Der Arzt muss gemeinsam mit der Patientin entscheiden, welche Antibabypille am geeignetsten ist. Die Pille ist, wenn sie zuverlässig eingenommen wird, ein sehr sicheres Verhütungsmittel. Wird einmal eine Pille vergessen, kann die Einnahme noch bis zu 12 Stunden später erfolgen. Wird die vergessene Pille mehr als 12 Stunden später eingenommen, so ist für den Zyklus kein sicherer Empfängnisschutz mehr gegeben und es müssen zusätzliche Verhütungsmittel genommen werden. Die Einnahme muß trotzdem fortgesetzt werden, um im Zyklus zu bleiben. Verbleiben nach der vergessenen Pille weniger als sieben Tabletten in der Packung, so sollte die nächste Packung ohne einwöchige Pause angefangen werden.

Die Wirksamkeit der Pille kann auch beeinträchtigt werden durch Erbrechen und Durchfall, sowie durch die Einnahme bestimmter Medikamente, z.B. Barbiturate oder Breitspektrumantibiotika. Bei kurzzeitiger Einnahme dieser Arzneimittel, sollten Sie zusätzlich andere Verhütungsmittel verwenden, bei Langzeit-Anwendung müssen Sie auf andere Verhütungsmittel ausweichen.

Pearl-Index: 0,2-0,5

Vorteile der Antibabypille

  • Hohe Sicherheit.
  • Schutz vor Gebärmutter- und Eierstockkrebs.
  • Wirksam auch gegen Menstruationsbeschwerden (Zyklusstörungen) und Akne.

Nachteile der Antibabypille

  • Ständige Arzneimittelbelastung.
  • Man muss jeden Tag an die Einnahme denken.
  • Erhöhtes Risiko an Durchblutungsstörungen und Herz-Kreislaufstörungen wie Thrombose, Herzinfarkt und Schlaganfall zu erkranken. Bestehen weitere Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck oder erhöhter Blutfettspiegel muss von hormonellen Kontrazeptiva dringend abgeraten werden. Das gilt insbesondere für Raucherinnen, die älter als 30 Jahre sind.
  • Mögliche Nebenwirkungen: Gewichtszunahme, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Spannungsgefühl in den Brüsten, trockene Scheide, Scheideninfektionen, Abnahme des Geschlechtstriebs.

Minipille

Die Minipille enthält ausschließlich das Hormon Gestagen. Im Allgemeinen hemmt sie den Eisprung nicht. Ihre Wirkung besteht hauptsächlich darin, dass die Verflüssigung des Schleims um die Zeit des Eisprungs ausbleibt. Die Samenfäden können also nicht in die Gebärmutter eindringen. Zusätzlich wird der Transport des Eies im Eileiter behindert. Die Minipille ist auch für stillende Mütter geeignet, weil sie die Milchproduktion nicht zurück gehen lässt. Sie wird ohne Pause täglich eingenommen - auch während der Regelblutung. Bei der Sicherheit der Minipille kommt es sehr auf persönlich Disziplin an, denn die Minipille verliert bei Einnahmefehlern sehr schnell ihre Wirkung. So darf die übliche Einnahmezeit um nicht mehr als drei Stunden unter- bzw. überschritten werden

Pearl Index: 1-3

Vorteile:

  • enthält nur Gestagen, deshalb auch für ganz junge Mädchen geeignet und für stillende Mütter.

Nachteile:

  • erfordert sehr genaues Einhalten der Einnahmezeit, deshalb geringere Sicherheit.

Depotpräparate

Eine mögliche hormonelle Alternative zur Pille ist die Drei-Monats-Spritze. Eine Hormonspritze, die alle drei Monate vom Arzt verabreicht wird. Nachteilig dabei ist, dass es häufig zu Schmierblutungen kommt und nach der letzten Spritze die Menstruation lange ausbleiben kann. Diese Methode sollte nicht über Jahre angewandt werden. Die Dreimonatspritze liegt im Sicherheitsbereich der Pille, es gelten die gleichen Risiken wie für die Pille.

Pille danach

Hierbei wird nicht die Befruchtung verhindert, sondern die Einnistung einer befruchteten Eizelle. Spätestens 24-48 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr muss mit der Einnahme von zwei Hormondragees begonnen werden, eine zweite Einnahme erfolgt 12 Stunden später. Wegen starker Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen aufgrund der hohen Hormondosis ist die Pille danach eher eine Notfallmaßnahme.

Pearl-Index: 0.1-2,6

Intrauterinsystem (IUS)

Das IUS besteht aus einem kleinen Hormon freisetzenden Zylinder, der mit einem T-förmigen Kunststoffteil verbunden ist. Das weiche, flexible Kunststoffmaterial und die T-Form gewähren die sichere Position in der Gebärmutterhöhle. Das IUS ist nicht spürbar und gewährt vom ersten Tag an eine sehr hohe Empfängnis verhütende Sicherheit, die bis zu fünf Jahren bestehen bleibt.

Pearl-Index: 0,02

Das IUS gibt jeden Tag gleichmäßig geringe Mengen Gestagens Levonorgestrel in die Gebärmutterhöhle ab. Der Empfängnis verhütende Schutz beruht auf den lokalen Wirkungen des Gestagens in der Gebärmutter (es unterdrückt also nicht den Eisprung wie die Pille):

Der Schleimpfropf im Gebärmutterhals verdickt sich. Die Samenfäden können dadurch nur noch sehr schwer in die Gebärmutterhöhle vordringen. Samenfäden, die dennoch durchkommen, werden in ihrer Beweglichkeit und Vitalität gehemmt. Außerdem wird der monatliche Aufbau der Gebärmutterschleimhaut stark vermindert, die Dicke der Schleimhaut nimmt deutlich ab. Eine Eizelle, die ausnahmsweise befruchtet würde, könnte sich gar nicht in der Gebärmutterschleimhaut einnisten.

Das IUS wird in erster Linie zur Empfängnisverhütung angewandt. Da die Monatsblutungen während der Anwendung schwächer und weniger schmerzhaft werden, eignet sich diese Methode auch zur Behandlung von zu starken und schmerzhaften Monatsblutungen.

IUS darf auch während der Stillzeit eingesetzt werden, da es nur Gestagen enthält und damit die Milchproduktion nicht beeinflusst.

Vorteile:

  • sehr hohe Sicherheit, dauerhafte Verhütung über 5 Jahre.
  • Wirkung ist vollständig reversibel, Schwangerschaft schon im 1. Zyklus nach Entfernen möglich.
  • schwächere und weniger schmerzhafte Monatsblutung.
  • enthält nur Gestagen, dadurch auch in der Stillzeit geeignet.

Nachteile:

  • relativ hohe Sofortkosten, Amortisierung erst bei längerer Verweilzeit.

Autor: Christiane von der Eltz (Apothekerin), Dr. Regina Schick (Ärztin)

Stand: 01.02.2013

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